Abflugtafel an einem Flughafen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Nach Flugzeugunglück in Äthiopien Gesamter europäischer Luftraum für Boeing 737 Max 8 gesperrt

Die Europäische Flugaufsicht (EASA) hat den kompletten europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max 8 gesperrt. Das Verbot gelte als Vorsichtsmaßnahme, erklärte die EASA.

Als Grund für die Sperrung nannte die Behörde den Absturz eines solchen Flugzeugs in Äthiopien am Sonntag. Bei dem Unglück kamen mehr als 150 Menschen ums Leben. Es war der zweite Absturz einer Boeing 737 Max 8 innerhalb von einem halben Jahr.

Bei der Suche nach der Ursache für den Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine von diesem Boeing-Typ vermuten Experten einen Fehler in der Software, die bei diesen Maschinen zum Einsatz kommt.

Die erste Boeing 737 Max 8 wird am Brüsseler Flughafen der internationalen Reisegesellschaft TUI übergeben. (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Dirk Waem/BELGA/dpa)
30.01.2018: Die erste Boeing 737 Max 8 wird am Brüsseler Flughafen der internationalen Reisegesellschaft TUI übergeben. Foto: Dirk Waem/BELGA/dpa

Boeing: Baureihe ist sicher

Der US-Flugzeugbauer beharrt weiterhin darauf, dass die Baureihe sicher ist. Man habe vollstes Vertrauen in die Sicherheit der Flugzeuge, teilte der Konzern mit. Boeing äußerte aber auch Verständnis für die zahlreichen Flugverbote weltweit.

Die US-Flugaufsicht erklärte, es seien Änderungen an der Software und am Kontrollsystem der Maschinen nötig. Dafür setze sie Boeing eine Frist bis Ende April.

Ein Boeing-Sprecher sagte, die Software-Upgrades werde in den kommenden Wochen bei allen Maschinen aufgespielt. Das Update stelle man aber nicht in den Zusammenhang mit den Abstürzen in Äthiopien und fünf Monate zuvor in Indonesien.

Piloten berichten von Triebwerksproblemen

"Max 8" ist eine Weiterentwicklung des Boeing-Typs 737-800, der zu den erfolgreichsten Maschinen des US-Flugzeugherstellers Boeing gehört. Die "Max"-Varianten des Typs unterscheiden sich vor allem durch andere Triebwerke, die hier zum Einsatz kommen. Sie sind wesentlich leistungsfähiger als herkömmliche Motoren. Boeing wollte damit auf die Konkurrenz von Airbus reagieren.

Doch schon früh gab es Probleme mit den Triebwerken. Piloten berichteten davon, dass die Flugzeuge so viel Auftrieb bekommen, dass sie schwer zu beherrschen sind und der gefürchtete Strömungsabriss an den Tragflächen entstehen kann.

Boeing reagiert mit undokumentierter Software

Um das Verhalten der Maschinen mit den Max-Triebwerken zu beeinflussen, entwickelte Boeing eine Software, die diesen Effekt verhindern soll. Es nennt sich Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS). Doch um die Umschulung der Piloten zu erleichtern, wurde offenbar der Einsatz dieser Software verschwiegen und ist auch in den Handbüchern nicht aufgeführt.

Konnten die Piloten die Computerreaktion nicht deaktivieren?

Der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt sagte im SWR, dass die Software an die Steuerung der Maschine "unter einer bestimmten Kombination von Faktoren ein falsches Signal liefert". Anstatt nach dem Start weiter zu steigen, bekämen die Steuerelemente das Signal, in einen Sinkflug überzugehen, so Großbongardt.

Zwar habe es in der Zwischenzeit eine Nachschulung der Piloten gegeben, die es ihnen auch ermögliche, das System auszuschalten. Warum das in Äthiopien möglicherweise nicht geschehen sei, müsse jetzt geklärt werden, so der Luftfahrtexperte.

Im Audio erkärt Großbongardt, warum Elektronik in der Fliegerei so wichtig ist und was bei der Entwicklung vielleicht versäumt wurde.

Inzwischen haben Helfer den Flugschreiber des am Sonntag verunglückten Flugzeugs gefunden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Hintergründe des Absturzes aufgeklärt werden können.

Deutsche Airlines planen mit Max 8

Bislang hat noch keine deutsche Airline eine Maschine des Unglückstyps in Betrieb. Die deutschen Fluggesellschaften Tuifly und Sunexpress planen allerdings weiter mit der Boeing 737 Max 8. Tuifly will - trotz des Unglücks - die erste Maschine ab April einsetzen.

Bis auf Weiteres halte auch die Airline Sunexpress an ihrem Plan fest, sagte eine Sprecherin. Wie auch Tuifly stehe man in stetigem Dialog mit Boeing. Die Tochter von Lufthansa und Turkish Airlines hat mehr als 30 Flugzeuge des Typs 737 Max 8 bestellt, die ersten fünf sollen im Sommer ausgeliefert werden.

REDAKTION
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