Interview der Woche mit Oskar Niedermayer Wahlforscher zu Ibiza-Gate: Protestwähler könnten "ins Grübeln geraten"

Wahlforscher Niedermayer bezweifelt, dass "Ibiza-Gate" den rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa schaden könnte. In Deutschland könnten Protestwähler der AfD aber "ins Grübeln" kommen, sagte er im SWR-Interview der Woche.

In Deutschland werde die Geschichte sehr stark diskutiert, in vielen anderen Ländern aber spiele sie weniger eine Rolle, so Niedermayer. In Großbritannien etwa sei sie gar kein Thema - "da geht es um den Brexit".

Der Wahlforscher geht davon aus, der Skandal aus Österreich Auswirkungen auf die deutsche AfD haben könnte: "Ich könnte mir vorstellen, dass ein paar Protestwähler, die die AfD nicht aus inhaltlicher Überzeugung gewählt haben oder wählen wollen, sondern um den anderen Parteien einen Denkzettel zu verpassen, dass die ins Grübeln geraten, nachdem sie sehen, wie diese Partei in Österreich agiert hat. Und es werden ja auch Parallelen hergestellt, zum Beispiel zu den Spendenaffären, die die AfD hier hat."

Das Interview der Woche von SWR-Hauptstadtkorrespondent Christopher Jähnert mit Wahl- und Parteienforscher Oskar Niedermayer zum Nachhören.

"Gefahr durch Rechtspopulisten übertrieben"

Dass Rechtspopulisten eine große Rolle im Europaparlament spielen könnten, stellt Niedermayer in Frage. Deren Anteile werden relativ gering sein, die gemeinsame Fraktion werde vielleicht etwa zehn Prozent der Gesamtstimmen haben: "Damit kann man weder die Europäische Union zerstören noch eine Blockademinderheit organisieren", so Niedermayer. In diesem Zusammenhang kritisiert er die anderen Parteien, die das im Wahlkampf viel zu übertrieben dargestellt hätten.

Kritik im Netz "in der Wirkung durchaus begrenzt"

Kritik wie die des Youtubers Rezo, die in den vergangenen Tagen millionenfach angeschaut wurde, sollten die Parteien ernst nehmen, rät Niedermayer. Denn solche Videos würden in bestimmten Altersschichten durchaus weite Kreise ziehen.

Trotzdem seien sie "in der Wirkung durchaus begrenzt". Sie sollten nicht unterschätzt, aber auch nicht überschätzt werden. Die Parteien sollten versuchen, die Argumente mit den Leuten zu diskutieren und nicht einfach abtun, so Niedermayer

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