Wirtschaftsnobelpreis an Armutsforscher Banerjee, Duflo und Kremer vergeben (Foto: Reuters)

Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer ausgezeichnet Wirtschaftsnobelpreis an drei Armutsforscher

Die drei Armutsforscher Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer erhalten den Wirtschaftsnobelpreis. Der Preis nimmt eine Sonderstellung in der Reihe der Nobelpreise ein.

Der Inder Banerjee, die Französin Duflo und der US-Amerikaner Kremer werden für ihren experimentellen Ansatz geehrt, die Armut zu lindern. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt.

Kremer forschte laut Nobel-Jury an Mitteln, um Lernergebnisse bei Schülern im Westen Kenias zu verbessern. Banerjee und Duflo forschten oftmals an der Seite von Kremer an ähnlichen Fragen und in anderen Ländern.

Dauer

Zum zweiten Mal wird eine Frau geehrt

Duflo ist erst die zweite Frau, die mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wird. In einer ersten Reaktion erklärte sie, sie hoffe, dass sie Frauen weltweit dazu inspirieren könne, selbstbewusst ihrer Arbeit und Forschung nachzugehen.

Sonderstellung unter den Nobelpreisen

Der Wirtschaftsnobelpreis gehört nicht zum eigentlichen Vermächtnis des schwedischen Industriellen Alfred Nobel, sondern kommt von der Schwedischen Reichsbank. "Im Gedenken an Alfred Nobel" hatte die Bank anlässlich ihres 300-jährigen Bestehens den Preis 1968 gestiftet. Im folgenden Jahr wurde er dann erstmals als Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen - an den Norweger Ragnar Frisch.

Nur ein deutscher Preisträger

Da der Gedächtnispreis zusammen mit den Nobelpreisen verliehen wird und über die gleiche Dotierung von 830.000 Euro verfügt, hatte sich schnell der Begriff Wirtschaftsnobelpreis eingebürgert. Zumal auch er die wichtigste Auszeichnung ist, die ein Forscher auf diesem Gebiet erreichen kann. Auf der Liste der Preisträger finden sich viele große Namen, die Studenten von ihren Lehrbüchern her kennen.

Nur einmal wurde bislang ein Deutscher ausgezeichnet - 1964 der aus Breslau stammende, in Hessen aufgewachsene Volkswirt und Mathematiker Reinhard Selten. Er erhielt den Preis für seine Leistungen auf dem Feld der Spieltheorie. Der Österreicher Friedrich von Hayek, der in den 60er-Jahren in Freiburg lehrte, wurde 1974 für "die Pionierarbeit auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie" geehrt.

Die Wirtschaftstheorie war Nobel nicht geheuer

Dem im 19. Jahrhundert lebenden Chemiker und Industriellen Nobel selbst sollen die Wirtschaftswissenschaften nicht ganz geheuer gewesen sein, deshalb ließ er sie wohl bei seinem Vermächtnis außen vor. Er machte ein Vermögen mit hunderten von Patenten, darunter auf Dynamit.

In seinem Testament vermachte er 30 Millionen Goldkronen einem Fonds, dessen Zinsen "jährlich als Preisbelohnung an diejenigen verteilt werden sollen, die im abgelaufenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erwiesen haben". Seit 1901 werden die Preise an seinem Todestag, dem 10. Dezember, in Stockholm und der Friedensnobelpreis in Oslo überreicht.

REDAKTION
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