Asylbewerber stehen Schlange vor der Zentrale für Antragssteller (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Fotograf: Hubert Link)

Im Durchschnitt dauert es ein halbes Jahr Kürzere Asylverfahren, aber eigenes Ziel verfehlt

Asylbewerber müssen in Deutschland nicht mehr ganz so lange auf die Bearbeitung ihrer Anträge warten. Im Schnitt dauern die Verfahren aktuell ein halbes Jahr.

Nur noch etwas über sechs Monate muss ein Asylbewerber auf die Entscheidung warten, ob er in Deutschland bleiben darf. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, über die Zeitungen der Funke-Gruppe berichteten. Zu Beginn des Jahres 2018 waren es noch neun Monate.

Zahlreiche "Altfälle"

Ein Grund für den Rückgang ist wohl die gesunkene Zahl von Neuankömmlingen. Und es sind vor allem neuere Anträge abgearbeitet worden. Über eine Vielzahl sogenannter "Altfälle" sei noch nicht entschieden worden. Ende September 2018 warteten mehr als 4.000 Asylbewerber bereits seit über 18 Monaten auf ihren Bescheid.

Auch wenn sich die Verfahrensdauer nun kürzer wird: Die Bundesregierung hat ihr selbst gestecktes Ziel nicht erreicht: Zu Beginn der Flüchtlingskrise im September 2015 hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten darauf verständigt, Asylverfahren in drei Monaten abzuschließen.

Wie ein Asylverfahren funktioniert, erläutert "Zur Sache Rheinland-Pfalz" im Video.

Schnellere Bearbeitung in "Ankerzentren"

Bei den aktuellen CDU-Werkstattgesprächen zur Migrationspolitik äußerte sich auch der Vorsitzende des Bundesamtes für Migration (BAMF) Hans-Eckart Sommer zu den Verfahren seiner Behörde. Er sagte, bei Asylanträgen, die höchstens ein Jahr alt seien, dauere es bis zur Entscheidung nur noch höchstens drei Monate. In den sogenannten Ankerzentren ginge die Bearbeitung sogar noch schneller.

Laut BAMF-Chef liegt das Problem bei den Verwaltungsgerichten. Es könne nicht sein, dass schnelle Entscheidungen des BAMF sehr lange von Richtern geprüft würden. Asylbewerber, deren Antrag abgelehnt worden ist, haben das Recht, die Entscheidung von einem Gericht überprüfen zu lassen.

REDAKTION
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