Der DGB will junge Menschen ohne Ausbildung für einen Beruf begeistern und fordert deshalb das "Hamburger Modell" auch für Rheinland-Pfalz (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Mindestsatz für die Lehre Mindestausbildungsvergütung kommt – Mehr Geld für Azubis

Das Bundeskabinett hat den lang geplanten Mindestsatz für Ausbildungsvergütungen beschlossen. Künftig sollen Auszubildende im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro pro Monat verdienen.

Ab 2020 soll ein Azubi mindestens 515 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr verdienen. 2021 sollen es 550 Euro sein, ein Jahr später bereits 585 Euro und ab dem Jahr 2023 sollen Auszubildende 620 Euro pro Monat bekommen. Zudem sind Aufschläge für Azubis im zweiten, dritten und vierten Ausbildungsjahr geplant.

Dauer

Damit wären erstmals alle Betriebe, auch die nicht-tarifgebundenen, dazu verpflichtet, die sogenannte Mindestausbildungsvergütung zu bezahlen – also eine Art Mindestlohn für Azubis. In vielen Branchen werden Lehrlinge aber bereits höher entlohnt als es der neue Mindestsatz vorsieht. Diese Betriebe haben laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) nichts zu befürchten. Die Mindestvergütung würde nur die Betriebe betreffen, die unter dem Satz liegen.

Zwei Prozent der Auszubildenden profitieren

Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte ursprünglich eine Vergütung von 504 Euro gefordert. Diese hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) als Grundlage für eine Berechnung genommen. Dabei wurde ermittelt, wie viele Lehrlinge am Ende von der Reform profitieren würden. Heraus kam: Bei nur etwa 26.000 der über 1,3 Millionen Azubis in Deutschland gäbe es eine Erhöhung. Das wären etwa zwei Prozent. Von allen Ausbildungsbranchen bezahlen die Friseur- und Fleischerbetriebe am schlechtesten. Dort bekommt ein Auszubildender je nach Region unter 400 Euro pro Monat.

Ein Auszubildende zum Metzger bereitet (am 22.08.2016) bei einem Pressetermin Schweinemedaillons im Speckmantel vor. (Foto: dpa Bildfunk, (c) dpa, Fotograf: Henning Kaiser)
Bei Friseuren und Fleischereien verdienen Auszubildende eher wenig. (c) dpa, Fotograf: Henning Kaiser

Mit der neuen Mindestausbildungsvergütung folgt die Bundesregierung ihrer Ankündigung aus dem Koalitionsvertrag. Die SPD begrüßt das. Der Bundestagsabgeordnete Oliver Kaczmarek (SPD) sagte, Auszubildende arbeiten produktiv mit und hätten deshalb eine faire Vergütung verdient.

Kritik von Seiten der Unternehmer

Kritik kommt vor allem von der Union und aus der Wirtschaft. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach sagte, mit der geplanten Regelung würde – ähnlich wie beim Mindestlohn für Beschäftigte – die Tarifautonomie untergraben. Das sei kein gutes Signal und werde die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen nicht fördern. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sieht die Mindestvergütung eher kritisch. Zwar sei es wichtig, die Attraktivität der Berufsausbildung zu erhöhen. Allerdings belaste eine Mindestvergütung vor allem kleinere Betriebe in Ostdeutschland, so der Vize-Hauptgeschäftsführer des Handelskammertages, Achim Dercks.

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