Zapfsäule (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, Christophe Gateau)

Realer Spritverbrauch deutlich höher Studie: Autofahrer zahlen immer noch drauf

Autos in der EU verbrauchen im Realbetrieb noch immer deutlich mehr Sprit als von den Herstellern angegeben. Das geht über das Jahr gerechnet richtig ins Geld.

Es hat sich nichts geändert: Zwischen den Herstellerangaben und dem tatsächlichen Kraftstoffverbrauch eines Pkw-Modells klafft nach wie vor eine große Lücke: Um 39 Prozent höher liegt der reale Verbrauch. Das hat die unabhängige Berliner Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) ermittelt.

Immerhin: Erstmals seitdem angegebener und realer Verbrauch verglichen werden, ist die Abweichung nicht größer geworden. 2016 hatte sie bei 40 Prozent gelegen.

Labortest ist nicht wie Fahren im Alltag

Die ICCT hat die Daten von etwa 1,3 Millionen Fahrzeugen aus acht europäischen Ländern aus dem Jahr 2017 ausgewertet. Einer der Gründe für höheren Spritverbrauch im Alltag seien unterschiedliche Bedingungen im Echt- und im Laborbetrieb. So würden zum Beispiel Klima- oder Entertainmentanlagen in den Fahrzeugen im Labor ausgeschaltet. Das beeinflusst den Spritverbrauch.

Geldschein in Tankstutzen (Foto: Colourbox)
Autofahrer müssen häufiger tanken, wenn der Spritverbrauch in der Realität höher ist als auf dem Papier.

Durchschnittlich 400 Euro mehr fürs Tanken im Jahr

Für Fahrzeughalter bedeutet dies Mehrausgaben für Kraftstoff. Die liegen pro Auto bei etwa 400 Euro im Jahr.

Außerdem entgehen dem Staat Einnahmen, weil die Kfz-Steuer auf Basis des CO2-Ausstoßes ermittelt wird. Einer Studie zufolge sollen es 2016 in der EU rund zehn Milliarden Euro gewesen sein.

Neues Testverfahren

Die Autohersteller verweisen darauf, dass sie ihre Neuwagen seit September 2018 dem neuen Test WLTP unterziehen müssen – für neue Fahrzeugtypen gilt es bereits seit September 2017. Dabei werden auch verschiedene Situationen im Straßenverkehr, Geschwindigkeiten und auch verschiedenen Arten der Ausstattung berücksichtigt.

Mit dem neuen Messverfahren würden Verbrauch und CO2-Werte realistischer angegeben, argumentieren die Hersteller. Die Kunden hätten damit mehr Sicherheit.

ICCT-Europa-Chef Peter Mock blickt schon weiter in die Zukunft: Ab 2021 sollen Hersteller verpflichtet werden, den Verbrauch ihrer Fahrzeuge mit Messgeräten zu protokollieren. Außerdem solle die EU-Kommissionen Strafen für fehlerhafte Verbrauchswerte einführen, forderte er.

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