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Nach langer Haftzeit. Ein Kommentar Jens Söring, was ist der Sinn des Lebens?

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Über 30 Jahre saß Jens Söring wegen Doppelmord in amerikanischen Gefängnissen. Martin Rupps interessiert nicht, ob er schuldig ist, sondern was er mit dem Rest seines Lebens anfangen will.

Ein Mann Anfang Fünfzig, Kurzhaarschnitt, sorgfältig rasiert: Jens Söring könnte im Vertrieb arbeiten oder als Angestellter einer Bank. Tatsächlich war er bis Ende November über 30 Jahre lang Häftling in amerikanischen Gefängnissen, weil er 1985 die Eltern seiner damaligen Freundin umgebracht haben soll.

Die bewegte Lebensgeschichte von Jens Söring sehen Sie hier im Video:

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen RP

Jens Söring könnte noch vor Weihnachten nach Deutschland abgeschoben werden, teilte jetzt ein Sprecher seines Unterstützerkreises mit. Zu seinen möglichen Zielen gehört die kleine Eifel-Gemeinde Bitburg, wo eine langjährige Kämpferin für Sörings Freilassung lebt.

Die Faszination des Falls geht wohl auch von der Diskrepanz zwischen Sörings kultiviertem Auftreten und der bestialischen Tat, der er beschuldigt und für die er verurteilt wurde, aus. Dieser brave Schulbub, fragten sich damals viele Amerikaner angesichts der Prozessbilder im Fernsehen, soll zwei Menschen getötet und beinahe ihre Köpfe vom Rumpf getrennt haben? Noch heute passt der Angestelltentyp Söring nicht zu seiner eigenen Geschichte: Er will mit seinem Geständnis nur seine Freundin geschützt haben.

Verurteilt wegen bestialischer Morde

Mich interessiert nicht, ob Jens Söring schuldig ist oder nicht. Ich würde ihn gern fragen, was er mit seinen weiteren Lebenszeit anfangen will. Was ein Mensch, der nach über 30 Jahren frei kommt, denkt und fühlt. Nicht aus Neugier, sondern in der Hoffnung, darüber etwas über den Sinn des Lebens zu erfahren. Er konnte oder musste über diese Frage viel länger nachdenken als ich.

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