Unteilbar-Demo in Berlin (Foto: picture-alliance / dpa, picture alliance/Christoph Soeder/dpa)

Großdemo in Berlin #Unteilbar: Tausende demonstrieren für eine offene Gesellschaft

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Ihr Motto ist "Unteilbar", ihre Motivation der Kampf gegen den Rassismus und Rechtsruck in der Gesellschaft. Laut Veranstalter waren am Ende über 240.000 Menschen zu der Demonstration in Berlin gekommen.

Angemeldet hatten die Organisatoren im Vorfeld lediglich 40.000 Personen. Die Polizei sprach von großem Zulauf zu der Veranstaltung: Dem Evangelischen Pressedienst gegenüber hielt ein Polizeisprecher eine sechsstellige Teilnehmerzahl "für realistisch".

Die Demonstration findet unter dem Motto "#Unteilbar - Solidarität statt Ausgrenzung" statt. Nach dem Auftakt am Alexanderplatz führte sie durch die Berliner Innenstadt bis hin zur Siegessäule. Dort treten am Abend Künstler auf, unter anderem Herbert Grönemeyer und Konstantin Wecker.

Als die Demonstrationsspitze auf ihrem Weg bereits das Brandenburger Tor erreicht hatte, standen die letzten Teilnehmer noch auf dem gut zwei Kilometer entfernten Alexanderplatz.

Parteichefs nehmen an Demo teil

Neben Linken-Chefin Katja Kipping kam auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter zur Kundgebung, "um ein klares Zeichen zu setzen, dass sowohl die sozialen Rechte als auch die Rechte unserer Lebensgrundlagen unteilbar sind". Zuvor hatten SPD-Chefin Andrea Nahles zur Teilnahme aufgerufen. Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) unterstützt die Demo.

Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht hingegen hatte ihre Teilnahme abgesagt, weil ihrer Meinung nach die Veranstalter "offene Grenzen" forderten. Tatsächlich gefordert wird aber eine "offene und solidarische Gesellschaft". Aus ihrer Partei heraus wurde sie dafür scharf kritisiert.

Ähnliche Veranstaltungen wie in Berlin fanden zeitgleich in Frankfurt und Karlsruhe statt. Dorthin kamen etwa 3500 beziehungsweise 2000 Menschen.

"Ein Angriff, der uns allen gilt"

Eine offene, freie Gesellschaft statt Hass und Ausgrenzung - das ist das Ziel von "#Unteilbar". Es finde eine dramatische, politische Verschiebung statt, heißt es in dem Aufruf zur Demonstration.

Humanität, Menschenrechte und Rechtsstaat würden inzwischen offen angegriffen "und das ist ein Angriff, der allen gilt", sagt die Sozialwissenschaftlerin und Unterstützerin Naika Foroutan. "Wir sehen, es gibt ein Klima der Menschenverachtung und das richtet sich nicht nur gegen Migration, sondern gegen jegliche Form pluraler Lebens- und Gesellschaftsentwürfe."

Teilnehmer der Kundgebung ziehen am Roten Rathaus vorbei, im Hintergrund der Berliner Fernsehturm (Foto: picture-alliance / dpa, picture alliance/Paul Zinken/dpa)
Teilnehmer der Kundgebung in Berlin ziehen am Roten Rathaus vorbei. picture alliance/Paul Zinken/dpa

Prominente wie Böhmermann und "Die Ärzte"

Zu den mehr als 6.000 Unterstützern der Initiative gehören auch zahlreiche Prominente. Darunter sind der Satiriker Jan Böhmermann, die Band "Die Ärzte", Schriftstellerin Eva Menasse und auch Schauspieler Benno Fürmann.

"Ich glaube, das Problem ist, dass wir uns angewöhnt haben, uns in unsere Meinungskämmerchen zurückzuziehen, um das bestätigt zu bekommen, was wir eh schon denken und im schlimmsten Fall uns im Internet auszukotzen."

Benno Führmann

Dieses "Wir sind mehr" könne aber nur funktionieren, wenn man von der Couch aufstehe und etwas tue, sagte der Schauspieler während eines Pressegesprächs. Unter den Organisationen befinden sich neben Amnesty International und Pro Asyl auch Kirchen und Gewerkschaften.

"Wir lassen uns nicht einschüchtern"

Auch der Paritätische Gesamtverband ist dabei. Immer öfter seien Mitglieder des Verbands Hass und Drohungen von rechts ausgesetzt, sagt Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. "Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir zeigen was wir tun, wir zeigen was wir wollen, wir zeigen wofür wir stehen und wir wehren uns. Das ist für uns der entscheidende Punkt als Verband der Vielfalt, Toleranz und Offenheit. Und deswegen engagieren wir uns in diesem Bündnis, deswegen sind wir samstags mit vielen, vielen Mitgliedsorganisationen am Start."

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