Notre Dame Kathedrale (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / empics)

Historisches Wahrzeichen schwer beschädigt Nach Feuer in Paris: Viele Schätze aus Notre-Dame gerettet

Gute Neuigkeiten nach dem verheerenden Brand im Pariser Wahrzeichen Notre-Dame: Der Innenraum ist doch nicht komplett ausgebrannt, und es wurden etliche Schätze aus Kunst und Religion gerettet.

Viele Stunden hatte die weltberühmte Kathedrale seit Montagabend gebrannt, bis die Feuerwehr am Morgen die letzten Glutnester gelöscht hatte. Noch ist nicht klar, was das Feuer verursacht hat.

Spitzturm eingestürzt - wie stabil ist Statik der Kathedrale noch?

Durch den Brand stürzte der 90 Meter hohe Spitzturm in der Mitte ein, weite Teile des Dachstuhls wurden zerstört. Hunderte Einsatzkräfte versuchten, das Bauwerk zu retten. Der gewaltige Dachstuhl der fast 130 Meter langen Kirche war in der Nacht komplett ausgebrannt. Anders als es zunächst den Anschein hatte, ist der Innenraum der Kathedrale jedoch nicht komplett zerstört.

Inzwischen untersuchen Feuerwehrleute und Bau-Spezialisten, wie standfest die beiden Haupttürme und der Rest der Fassade nach dem Großbrand noch sind. Für Aufräumarbeiten oder eine Schadensbilanz sei die Lage jedoch noch viel zu gefährlich, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Wiederaufbau von Notre-Dame "Es wird viele Jahre dauern"

Notre Dame brennt (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Thibault Camus/AP/dpa)
Ein Schock nicht nur Frankreich: Die weltberühmte Kathedrale Notre-Dame im Herzen von Paris steht in Flammen. picture alliance/Thibault Camus/AP/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Das Videostandbild des französischen Fernsehsenders France Televisions zeigt den Brandschaden im Inneren der Kirche. picture alliance/Uncredited/France Televisions/AP/dpa Bild in Detailansicht öffnen
Die Kathedrale ist nicht zuletzt wegen der vielen Verfilmungen des Romans von Victor Hugo "Der Glöckner von Notre Dame" weltbekannt. 1956 spielten Gina Lollobrigida und Anthony Quinn die Esmeralda und den Glöckner Quasimodo. picture alliance / United Archives/Roba Bild in Detailansicht öffnen
Bis der Touristenmagnet wieder so wie auf dem Archivbild aussieht, wird es nach Ansicht des Kölner Dombaumeisters Peter Füssenich noch viele Jahre dauern. Autor: Bernd Thissen Bild in Detailansicht öffnen

Reliquie aus brennender Kirche gerettet: Dornenkrone von Jesus

Viele historische Schätze, die sich in der Kirche befanden, konnten gerettet werden, darunter die Dornenkrone, die Jesus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. "Für solche Objekte gibt es Einsatzpläne, auch zur Rettung von Kulturgut", sagte der Präsident des Technischen Hilfswerks, Albrecht Broemme, im SWR. "Die Rettung dieser Dornenkrone ist ein Erfolg dieses Einsatzplans."

Einen Brand auf einer Insel, in einem hohen, historischen Gebäude und unter den Augen der Weltöffentlichkeit zu löschen, sei großer Stress, meinte Broemme. "Dem kann man nur dann standhalten, wenn man Einsatzpläne hat, die kennt und die müssen auch geübt sein."

Hoffnung, dass Gemälde restauriert werden können

Möglicherweise haben auch einige der bedeutenden Kirchenfenster den Brand überstanden. Nach dem ersten Augenschein gebe es sogar Hoffnung, dass einige der großen Gemälde, die an den Wänden fest verankert waren, noch restauriert werden könnten, sagte ein anderer Feuerwehrsprecher. Der aber auch betonte, dass das Feuer unschätzbare Schäden verursacht habe.

Millionenspenden für den Wiederaufbau

Nicht mal einen Tag nach dem Ausbruch des Brandes waren allein durch Großspenden mehr als 700 Millionen Euro für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt worden. Viele vermögende Familien in Frankreich haben sich bereits spendabel gezeigt. Noch in der Nacht hatte Francois-Henri Pinault, Chef des Kering Konzerns mit Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent, für seine Familie 100 Millionen Euro zugesagt.

Am Morgen hatte Antoine Arnaud für seine Familie mit großen Anteilen unter anderem an Dior und Louis Vuitton 200 Millionen Euro versprochen. Die gleiche Summe kündigte später auch die Familie Bettencourt Schueller, Erbin von L’Oreal, an. Der französische Ölkonzern Total sagte noch einmal 100 Millionen Euro zu. Die französische Denkmalschutz-Behörde hat bereits eine eigene Internetseite gestartet, auf der Interessierte direkt Spenden für den Wiederaufbau machen können.

Der französische Präsident Emmanuel Macron will Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren wiederaufbauen. Das Pariser Wahrzeichen solle dann noch schöner sein als vorher schon, sagte er in einer Fernsehansprache.

Gotische Kathedrale Notre-Dame ist Weltkulturerbe

Notre-Dame gilt als eine der wichtigsten gotischen Kathedralen der Welt und zählt zum Weltkulturerbe der Unesco. Der Grundstein wurde 1163 gelegt, der Bau selbst dauerte mehr als 200 Jahre. Die Kathedrale Notre-Dame zählt zu den meistbesuchtesten Attraktionen der französischen Hauptstadt. Im Mainzer Dom gab es am Mittag eine Andacht und Glockengeläut für Notre-Dame.

Kanzlerin Merkel: "Es tut weh, diese schrecklichen Bilder zu sehen."

Im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekundete der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, auf Twitter Mitgefühl mit den Franzosen: Es tue weh, diese "schrecklichen Bilder" zu sehen. "Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden."

Fluctuat nec mergitur - sie schwankt, aber sie geht nicht unter. Möge der Wahlspruch der Stadt Paris heute nacht ganz besonders auch für diese herrliche Kirche #NotreDame gelten. Alle Kraft den Feuerwehrleuten, die tun, was sie können, um sie zu retten.

Die Bundeskanzlerin hat Frankreich zudem Hilfe beim Wiederaufbau der Kathedrale zugesagt. Diese Kirche sei ein gemeinsames europäisches Erbe, das wir miteinander teilen, sagte sie in Berlin. Die Kulturminister beider Länder würden sich nun darüber austauschen.

REDAKTION
STAND