Oradour-sur-Glane im Jahr 2013 (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Grausamer Mord an 642 Zivilisten Das Massaker von Oradour-sur-Glane jährt sich zum 75. Mal

Am 10. Juni 1944 löschten deutsche Soldaten in Frankreich fast ein gesamtes Dorf aus: 642 Bewohner der Ortschaft Oradour-sur-Glane starben. Das Massaker gilt als Symbol für deutsche Kriegsverbrechen in Westeuropa. Wer es befohlen hat, ist bis heute nicht klar.

Vor genau 75 Jahren fielen etwa 150 Angehörige der SS-Panzerdivision "Das Reich" im Ort Oradour-sur-Glane ein. Die männlichen Einwohner wurden in Scheunen und Garagen getrieben und niedergemetzelt. Mehr als 400 Frauen und Kinder pferchten die Soldaten in der Dorfkirche zusammen und brachten sie dort um. Anschließend plünderten sie das Dorf und brannten alles nieder.

Die Karlsruher Historikerin Andrea Erkenbrecher forscht seit Jahren zu dem Kriegsverbrechen. Doch die Frage, von wem der Befehl für das Massaker kam, ist bis heute nicht beantwortet.

Eine Gedenktafel in Oradour-sur-Glane (Frankreich): "Gedenkstätte - Eine Gruppe von Männern wurde hier von den Deutschen massakriert und verbrannt - Besinnt Euch" (undatiert). (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Picture Alliance

Zwei Theorien

Laut Erkenbrecher lautet eine These, dass mit der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 der Kampf gegen den bewaffneten Widerstand, den Maquis, extrem verschärft wurde. Mit dem Massaker, so die Annahme, sollte ein Exempel statuiert werden.

Eine andere These geht von einem Alleingang des Bataillonschefs, Sturmbannführer Adolf Diekmann, aus. Dem hängt jedoch nur eine Minderheit der Experten an. Eindeutige Belege gibt es nicht - Diekmann fiel kurz nach dem Massaker.

Nur ein Urteil nach dem Krieg

Mit der Aufarbeitung der Geschehnisse tat man sich schwer. Der Divisionskommandeur des verantwortlichen Bataillons, Heinz Lammerding, machte nach dem Krieg Karriere als Bauunternehmer und starb 1971 weitgehend unbehelligt von der Justiz. Es gab lediglich ein Urteil gegen einen der Beteiligten.

Seit einigen Jahren ermittelt die in Dortmund ansässige nordrhein-westfälische Zentralstelle für die Bearbeitung von nationalsozialistischen Massenverbrechen unter der Leitung von Oberstaatsanwalt Andreas Brendel jedoch wieder, um die Vergangenheit auszuarbeiten.

"Wenn jeder wüsste, was ich aus den Akten weiß, dann würde es noch deutlich weniger Menschen geben, die das Dritte Reich und seine Protagonisten verherrlichen."

Oberstaatsanwalt Andreas Brendel

Gedenktafeln für die Opfer

In Deutschland ist der Gedenktag weitgehend unbekannt - in Frankreich kennen die meisten den Namen Oradour und die Gräueltaten, die damit verbunden sind.

Der Ort ist heute eine Gedenkstätte, die jedes Jahr von rund 300.000 Menschen besucht wird. In den Ruinen von damals erinnern Gedenktafeln an die Opfer.

REDAKTION
STAND