Gesundheitsapp auf einem Smartphone (Quelle: picture allianceMichael Kappelerdpa) (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Bundestag stimmt für Digitale-Versorgungs-Gesetz Gesundheits-Ökonom: "Apps brauchen Zulassung wie Medikamente"

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Der Bundestag hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, das ab dem kommenden Jahr unter anderem Gesundheits-Apps auf Rezept ermöglicht. Der Bremer Gesundheitsökonom Gerd Glaeske ist darüber geteilter Meinung.

Deutschland führt als weltweit erstes Land Gesundheits-Apps auf Rezept ein. Das ist Teil des Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG), welches der Bundestag jetzt beschlossen hat. Die Kassen sollen ab Anfang nächsten Jahres zum Beispiel die Kosten für Apps erstatten, die beim regelmäßigen Einnehmen von Medikamenten helfen sollen.

Gesundheitsökonom Glaeske: Nicht alle Apps sind sinnvoll

Aber Gesundheits-App ist nicht gleich Gesundheits-App. Die kleinen Smartphone-Programme haben sehr unterschiedliche Ausrichtungen. Und so unterschiedlich bewertet auch Gesundheitsökonom Gerd Glaeske von der Universität Bremen den Nutzen dieser Apps. Im SWR sagte Glaeske, Apps, die etwa für eine zuverlässige Medikamenten-Einnahme sorgen, seien sinnvoll. Gerade für ältere Menschen, die eine Vielzahl von Medikamenten einnähmen und es dabei auf die exakte Abstimmung ankomme.

Manche Apps sind "fehlorientierend"

Hingegen unterstützt Glaeske die Ansicht des Chefs der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der bestimmte Gesundheits-Apps als "Schnickschnack" bezeichnet hatte. Glaeske ist der Meinung, manche dieser Programme seien sogar "fehlorientierend".

Seiner Ansicht nach sollten Apps so zugelassen werden wie Arzneimittel: "Die müssen ihren Nutzen nachgewiesen haben, und die müssen zeigen, dass ihre Inhalte richtig sind." Es gebe auch im Internet viele Seiten, von denen bekannt sei, dass sie falsche Informationen lieferten.

Apps auch auf Verständnis prüfen

Nicht nur der medizinische Nutzen und die inhaltliche Korrektheit seien wichtig, so Glaeske. Man müsse auch im Blick behalten, dass die Apps für den Nutzer verständlich seien. Das wäre auch für Ärzte wichtig, die die Apps ihren Patienten empfehlen sollen: "Wenn wir eine Zulassung hätten, dann wüsste der Arzt wie bei anderen Arzneimitteln, die haben eine Studie durchlaufen, die gezeigt hat, dass die App verstanden wird und dass sie tatsächlich das erreicht, was sie erreichen soll." Aktuell gebe es eher einen Wildwuchs, bei dem die eine Firma die andere noch übertreffen wolle.

Gesundheitsapps können Geld sparen

Derzeit gebe es immer wieder Fälle, bei denen Patienten ins Krankenhaus eingeliefert würden, weil sie Medikamente falsch eingenommen hätten. Apps könnten die Zahlen dieser Fälle zumindest deutlich senken, wenn die Apps verständlich seien, meint Glaeske. Etwa zehn Prozent aller Krankenhauseinweisungen seien auf falsche Medikamentennutzung zurückzuführen: "Wenn ich diese Krankenhauseinweisungen betrachte, dann hat das schon ökonomische Bedeutung. Dann gibt es ein Sparpotential, das man nicht unterschätzen darf."

Online-Sprechstunden und Gesundheitsdaten

Das neue Digitale-Versorgungs-Gesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht unter anderem auch vor, dass Patienten leichter Praxen finden sollen, die Online-Sprechstunden anbieten. Geregelt wird zudem, dass neben Praxen auch Apotheken und Kliniken an die geplante Datenautobahn des Gesundheitswesens angeschlossen werden.

In der zuletzt umstrittenen Frage einer stärkeren Nutzung von Gesundheitsdaten für die Forschung fügte das Parlament zusätzliche Sicherheitsregeln ein. Die Daten sollen nun schon pseudonymisiert von den Kassen an den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen übermittelt werden und nicht erst später.

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