Streit um Abschuss von Wölfen (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Diskussion um Wölfe in Deutschland Kabinett will Abschuss von Wölfen einfacher machen

Seit mehr als einem Jahr wird über den möglichen Abschuss von Wölfen diskutiert. Jetzt hat Umweltministerin Schulze ihren Gesetzentwurf vorgelegt. Doch es gibt Kritik daran.

Das Kabinett hat am Mittwoch den Kompromissentwurf von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bewilligt. Demnach sollen Wölfe künftig unter bestimmten Voraussetzungen leichter abgeschossen werden dürfen.

SWR-Umweltexperte Werner Eckert sieht an dem vorlegten Gesetzentwurf ein Problem: Er gibt keine Rechtssicherheit. Außerdem könnten ganze Rudel dadurch eliminiert werden:

Kompromiss zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung

"Der Wolf bleibt eine streng geschützte Tierart", erklärte Schulze. Laut dem Gesetzentwurf soll in Zukunft ein Abschuss nach einem so genannten Wolfsriss erlaubt werden, auch wenn nicht klar ist, welcher Wolf genau - etwa aus einem Rudel - zugebissen hat. Diese Erlaubnis soll so lange gelten, bis es keine weiteren Risse mehr gibt. Für die Abschussgenehmigungen sind die entsprechenden Landesbehörden zuständig.

In dem Gesetzentwurf steht außerdem, dass Hybride, also Mischlinge aus Wolf und Hund, abgeschossen werden sollen. Und das Füttern von Wölfen soll ausdrücklich verboten werden, weil diese sich dadurch an Menschen gewöhnen könnten.

Wir haben auf die Sorgen vor Ort reagiert. Da, wo es ein Problem gibt, lösen wir es. Und da wo es keines gibt, gilt der Artenschutz uneingeschränkt.

Bundeumweltministerin Svenja Schulze

Der Gesetzentwurf helfe, das Nebeneinander von Wolf und Weidetierhaltung in Deutschland zu ermöglichen, sagte Schulze. Bisher musste der Halter eines gerissenen Tieres in seiner Existenz bedroht sein - erst dann durfte der Abschuss eines Wolfes erlaubt werden.

Klöckner hatte eigentlich wolfsfreie Zonen gefordert. In diesen wäre auch ohne Anlass ein Abschuss der Raubtiere möglich gewesen. Laut Schulze ist das aber weder mit deutschen noch mit europäischen und internationalen Artenschutzregeln vereinbar.

Kritik am Gesetzentwurf

Sowohl Umweltverbände als auch Jäger und der Bauernverband haben den Entwurf bereits kritisiert. Der Umweltverband BUND sprach von einem "Angriff auf das Artenschutzrecht". Der BUND-Experte Olaf Bandt fürchtet, dass es künftig möglich sei, "nach Rissen einfach auf Verdacht das ganze ortsansässige Rudel abzuschießen".

Zudem könne sich dies auch auf andere seltene Tierarten wie Eisvogel, Kranich und Fischotter auswirken. Um Probleme mit Wölfen zu vermeiden, drängte der BUND vorrangig auf besseren Herdenschutz.

Die FDP fordert eine stärke Bejagung des Wolfes. Der Jagdexperte der Partei hat einen eigenen Gesetzentwurf angekündigt.

Der Wolf ist zurück in Deutschland

Wölfe galten in Deutschland lange Zeit als ausgestorben. Seit Jahren breiten sich die Tiere vor allem in Ost- und Norddeutschland wieder aus. Auch im Südwesten wurden bereits Wölfe gesichtet und ihre Reviere ausgemacht.

Während der Deutsche Jagdverband von mehr als 1.000 Tieren in ganze Deutschland spricht, geht das Bundesumweltministerium von rund 400 Wölfen aus.

REDAKTION
STAND