Irans Außenminister beim G7-Gipfel (Foto: Reuters)

G7-Treffen in Biarritz Iranischer Außenminister Sarif überraschend eingetroffen

Der iranische Außenminister Dschawad Sarif ist überraschend zum G7-Gipfel nach Frankreich gekommen. Er führte Gespräche mit Frankreichs Präsident Macron und Außenminister Le Drian.

Völlig überraschend ist der iranische Außenminister Dschawad Sarif zu Gesprächen beim G7-Gipfel im französischen Biarritz eingetroffen. Dort hat er Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie Außenminister Jean-Yves Le Drian getroffen.

Über den Überraschungsbesuch beim G7-Gipfel berichtet Julia Barth:

Sarif twittert aus Frankreich - Merkel wusste bescheid

Sarif twitterte ein Foto, das ihn fröhlich in einer Runde mit Präsident Macron zeigt. Bundeskaanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach Angaben der Bundesregierung über die Gespräche gebrieft worden.

Iran's active diplomacy in pursuit of constructive engagement continues. Met @EmmanuelMacron on sidelines of #G7Biarritz after extensive talks with @JY_LeDrian & Finance Min. followed by a joint briefing for UK/Germany. Road ahead is difficult. But worth trying. https://t.co/oXdACvt20T

Kein Treffen mit US-Vertretern geplant

Nach iranischen Angaben ist aber kein Treffen mit Vertretern der USA geplant. Die Amerikaner hatten das Atomabkommen mit dem Iran einseitig aufgekündigt. Der Streit um das iranische Atomprogramm gehört zu den zentralen Themen des G7-Gipfels. Emmanuel Macron sagte, alle Teilnehmer wollten Stabilität und Frieden in der Region.

Washington will seit dem einseitigen Ausstieg aus dem Atomabkommen Teheran mit maximalem politischen und wirtschaftlichen Druck zu einem anderen Kurs in der Außenpolitik zwingen. Neue und schärfere Sanktionen haben die Spannungen in der Region allerdings nur noch mehr angeheizt.

US-Präsident Donald Trump reagierte knapp auf die Frage, ob er von der Einladung Sarifs gewusst habe: "Kein Kommentar."

Trump lobt Johnson und verharmlost Kim

Am Vormittag hatte sich der US-Präsident dagegen ausführlich zu Nordkorea geäußert. Über die neuen Raketentests in Nordkorea sei er zwar "nicht glücklich", trotzdem hat er die Tests beim G7-Gipfeltreffen im französischen Biarritz heruntergespielt.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un "verstößt nicht gegen eine Vereinbarung", sagte Trump. Bei einem Treffen mit Japans Ministerpräsient Shinzo Abe sagte der US-Präsident, er habe vergangene Woche "einen sehr schönen Brief" von Kim erhalten.

Raketentests in Nordkorea

Unmittelbar vor dem Auftakt des G7-Gipfels in Frankreich hat Nordkorea nach eigenen Angaben ein "neu entwickeltes supergroßes" Mehrfachraketenwerfersystem getestet. Die Streitkräfte in Südkorea vermuten, dass sein Nachbarland wieder zwei ballistische Kurzstreckenraketen erprobt hat. Es war schon das siebte Mal seit Ende Juli, dass Nordkorea Raketen oder Lenkwaffen getestet hat.

Trump findet in Johnson einen neuen Freund

Den neuen britische Premierminister Boris Johnson findet Trump auch toll - daraus hat der US-Präsident in den vergangenen Wochen keinen Hehl gemacht. In Biarritz stärkte Trump Johnson nochmals den Rücken für den Austritt aus der EU. "Er ist der richtige Mann für den Job", sagte Trump bei einem Arbeitsfrühstück mit Johnson am Sonntagmorgen.

Trump stellte Großbritannien ein schnelles und umfassendes Handelsabkommen in Aussicht. Britische Produkte hätten riesige Chancen auf dem US-Markt, sagte Johnson.

Russland kehrt nicht zurück in die G7

Eine klare Abfuhr bekam Trump für den Vorschlag, Russland wieder in die G7 aufzunehmen. Das Land ist vor fünf Jahren aus der Gruppe ausgeschlossen worden, nachdem Präsident Wladimir Putin die Annexion der Krim befohlen hatte.

Neben Nordkorea, den dramatischen Waldbränden im Amazonas-Gebiet und dem Brexit war auch der Umgang mit dem Iran Thema beim Treffen der sieben wichtigsten Industrieländer. Frankreich Präsident Emmanuel Macron sagte, die G7-Staaten hätten vereinbart, gemeinsam gegenüber dem Iran aufzutreten. Ziel sei es, das islamische Land davon abzuhalten, weitere Schritte zur Aushöhlung des Atomvertrages zu ergreifen. Außerdem wolle man offen für neue Verhandlungen sein.

Die Beziehung der Gipfelteilnnehmer ist schwierig. Wie schwierig, erklärt Brüssel-Korrespondent Stephan Ueberbach im Audio:

Was kann Deutschland beim Treffen der G7 bewirken?

Der Irankonflikt, die Klimakrise, die angespannte Situation in der Ukraine, der Handelsstreit mit den USA: Egal welches aktuelle Problem die Gruppe der Sieben auf den Tisch legt, eine Lösung ist in den gut zwei Tagen nur schwer zu erreichen. Darin sind sich die Bundespolitiker aller Parteien einig.

REDAKTION
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