Symbolbild: Stempel Mindestlohn (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa-Bildfunk)

Fünf Jahre Lohnuntergrenze in Deutschland "Der Mindestlohn kostet Arbeitsplätze - und bringt neue"

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Vor fünf Jahren hat die Große Koalition beschlossen, in Deutschland den Mindestlohn einzuführen. Heute kann selbst die FDP damit leben.

Einige Politiker befürchteten, der Mindestlohn könne dazu führen, dass in manchen Branchen Arbeitsplätze wegfallen. Dass es dazu nicht gekommen ist, sei der guten Konjunktur in Deutschland geschuldet, sagt der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki im SWR. "Die Unternehmen suchen händeringend nach Mitarbeitern, und dadurch hat die Einführung des Mindestlohns keine gravierenden Auswirkungen gehabt."

Wichtig sei es, so Kubicki, dass Menschen, die Mindestlohn beziehen, aus ihrem bisherigen Job herauskommen und besser bezahlte Tätigkeiten ausüben: "Die Alternative besteht nicht darin, den Mindestlohn so exorbitant zu erhöhen, dass man damit leben kann. Die Qualifikation von Mitarbeitern muss auch im Interesse der Unternehmen sein. Mehr und bessere Qualifikation führt auch zu besseren Löhnen."

Kaufkrafterhöhung durch den Mindestlohn

Der mögliche Verlust von Arbeitsplätzen wurde von Kritikern des Mindestlohns immer wieder ins Gespräch gebracht. Stefan Sell, Direktor des Instituts für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung an der Hochschule Koblenz, bestätigt zwar im SWR, gerade im Osten Deutschlands seien viele Arbeitsplätze verloren gegangen - insbesondere in der Gastronomie und im Hotelgewerbe.

"Was aber immer vergessen wird bei dieser Rechnung: Durch den Mindestlohn hat es auch eine Kaufkrafterhöhung im unteren Lohnbereich gegeben. Und dadurch sind schlichtweg an anderer Stelle neue Jobs entstanden."

Die Vorstellung, mit dem Mindestlohn könnten sämtliche Armuts-Konstellationen bekämpft werden, sei allerdings falsch, so Sozialforscher Sell. Dafür sei die derzeitige Höhe des Mindestlohns nicht ausreichend.

"Warum es immer wieder diese Forderung nach 12 Euro pro Stunde Mindestlohn gibt, hat seinen Grund in der Rentenpolitik. Wenn Sie 45 Jahre zum heutigen Mindestlohn arbeiten würden, bekämen Sie eine Rente von 691 Euro, und damit liegen Sie unter der Grundsicherung", erläutert Sell.

Erst ab einem Stundenlohn von 12 Euro käme man auf eine Rente von 1200 Euro, "womit man halbwegs über die Runden kommen könnte - aber auch nur unter Vorbehalt."

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