Luftverschmutzung ist die größte Gesundheitsgefahr in Europa.  (Foto: picture-alliance / dpa)

Studie der Europäischen Umweltagentur 442.000 Europäer sterben durch Luftverschmutzung

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Die Zahlen sind alarmierend. Rund 442.000 Europäer sterben nach Angaben der Europäischen Umweltagentur jedes Jahr vorzeitig wegen schlechter Luftqualität.

Luftverschmutzung ist damit die größte Gesundheitsgefahr in Europa. Für die Studie wurden Daten von mehr als 2.500 Messstationen in 41 europäischen Ländern ausgewertet. Trotz langsamer Fortschritte würden die Grenzwerte von EU und Weltgesundheitsorganisation vielerorts überschritten.

Die Hauptverursacher sind Feinstaub, Stickoxid und bodennahes Ozon. Dass diese drei Stoffe extrem ungesund sind, ist unstrittig. Aber wie kommt man auf diese Zahlen?

Feinstaub und Stickoxide fördern die Entstehung von Krankheiten

Eines vorab: Es ist nie ein Schadstoff allein, der tötet, aber Feinstaub und Stickoxide spielen eine erhebliche Rolle bei der Entstehung von Lungenkrebs, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. All diese Krankheiten haben immer mehrere Ursachen, und welchen Anteil etwa Feinstaub daran hat, das wollten Wissenschaftler in verschiedenen aufwändigen Studien herausfinden.

Wie funktionieren diese Studien?

Vereinfacht ausgedrückt, untersuchen die Studien die Auswirkung folgendermaßen: Es wird untersucht, wie viele Menschen über 30 Jahren an Lungenkrebs, Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen gestorben sind. Dann wurde untersucht, wo genau sie gelebt haben und wie es in diesem Umfeld mit der Feinstaubbelastung aussieht.

Mit einer komplizierten Formel wird dann errechnet, welchen Anteil die Minipartikel vermutlich an diesen Todesfällen haben. Das ergibt die Zahl der möglichen Feinstaubtoten.

Kritik: Ob die Verstorbenen Raucher waren, wird nicht berücksichtigt

Doch das System hat Schwachstellen. Denn bei der berücksichtigten Feinstaubbelastung geht es nur um die Außenluft. Doch auch in Innenräumen ist sie häufig hoch: Dort entsteht Feinstaub unter anderem durch Bürogeräte, wie Drucker, durch Holzöfen, und vor allem durch Rauchen.

Ob die Verstorbenen aber Raucher waren, ob sie mit Holz geheizt oder wo sie gearbeitet haben, diese Daten werden nicht extra erhoben, allerdings werden sie laut Umweltbundesamt zumindest indirekt mit berücksichtigt.

Was ist ein "vorzeitiger" Tod?

Um festzulegen, ob ein Mensch vorzeitig verstorben ist, wird geschaut, wie alt sie – statistisch gesehen – normalerweise geworden wären. Die Tage, Monate und Jahre, die sie weniger gelebt haben, gelten als "vorzeitig gestorben". Wieviel das im Einzelfall ist, ist natürlich höchst individuell, das können nur ein paar Tage aber auch zwei Jahrzehnte sein.

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