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Früherer Präsident Chirac gestorben. Ein Kommentar Chirac – der Bulldozer, der seine Kinder siezte

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Martin Rupps spricht den Angehörigen von Jacques Chirac sein Beileid aus - und wünscht sich zugleich, dass der Politikertyp Chirac nie wieder in den Èlysée-Palast einzieht.

Der frühere französische Staatspräsident Jacques Chirac ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Mein Mitgefühl gehört seinen Angehörigen, doch ich hoffe, dass sein Politikertyp nie wiederkehrt.

Jacques Chirac im Jahr 2005 (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Kay Nietfeld/dpa)
Der frühere französische Staatspräsident Jacques Chirac ist im Alter von 86 Jahren gestorben picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Persönlich führte er sich elitär auf. Zu seinen beiden Töchtern sagte er zeitlebens „Sie“. In seinen Ämtern verkörperte Jacques Chirac den kalten Machtpolitiker schlechthin, der mal zu lauteren, mal zu weniger lauteren Mitteln griff. Nach seiner Amtszeit, mit 79 Jahren, wurde er wegen Untreue und Unterschlagung öffentlicher Gelder zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Der „Bulldozer“, wie sein Spitzname lautete, war unkaputtbar. Zu seinen größten Fähigkeiten gehörte, dass er sich aus jeder noch so engen Schlinge zog. Nach drei Anläufen und einem Vierteljahrhundert in der Politik war er 1995 endlich am Ziel und als Staatspräsident im Èlysée-Palast angekommen. Da war sein Politikverständnis schon veraltet.

Ein Nachruf auf Jacques Chirac von ARD-Frankreichkorrespondent Marcel Wagner.

Wie viele Spitzenpolitiker verfügte Chirac über ein Gespür für die Macht, aber nicht für den richtigen Zeitpunkt sie loszulassen. Seine zweite Amtszeit war eine zu viel.

Jacques Chirac hat seinen Platz in der Geschichte des modernen Frankreich und seine Verdienste für Europa. Aber nicht als Großer.

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