Schüler aus der gesamten Region haben in Lörrach ertmals für mehr Klimaschutz demonstriert (Foto: SWR, Matthias Zeller)

Fridays for Future am 15. März weltweit geplant Luisa Neubauer: "Wir hören nicht auf, uns für unsere Zukunft einzusetzen."

AUTOR/IN

Weltweit sollen Schüler heute bei den Fridays for Future demonstrieren. Wie ernst man die Kampagne nehmen sollte, verdeutlicht Aktivistin Luisa Neubauer im SWR-Exklusiv-Interview.

Luisa Neubauer wird oft als deutsche Greta Thunberg bezeichnet - die schwedische Schülerin hatte die Schülerstreiks fürs Klima initiiert. Der Vergleich nervt Neubauer nicht, sie findet ihn schlicht unpassend, denn "was Greta macht, ist großartig, aber halt auch einzigartig. Und was wir hier, nicht nur ich alleine, sondern viele Menschen in Deutschland gemeinsam auf die Beine stellen, ist relativ weit entfernt von dem, was Greta tatsächlich macht."

Exklusiv-Interview im SWR-Hauptstadtstudio mit Luisa Neubauer (Foto: SWR)
Exklusiv-Interview im SWR-Hauptstadtstudio mit Luisa Neubauer - Kamerateams begleiten sie

Die 22-jährige Berlinerin kommt zum Interview beim SWR im Hauptstadtstudio mit zwei Kamerateams im Schlepptau: eines von der ARD, das andere vom australischen Fernsehen. Sie drehen für eine Dokumentation über die Aktivistin. Eher eine Ausnahmesituation, wie die Studentin sagt: "Natürlich hat sich ganz viel für mich verändert in den letzten Monaten und ich bin immer öfter tatsächlich irgendwie mit irgendwelchen Kamerateams unterwegs. Das ist, glaube ich aber kein normales Leben jetzt."

"Streiks in 180 Orten in Deutschland angemeldet"

Der heutige Freitag soll in Sachen Klimaschutz-Demos der Schüler auch besonders werden: ein globaler Aktionstag und die bisher größte Demo der Fridays for Future. Luisa Neubauer erwartet weltweit hunderttausende Teilnehmer und auch in Deutschland "beeindruckende" Teilnehmerzahlen: "Den größten Streik, den wir in Deutschland hatten bisher, war glaube ich, zwischen 30.000 und 40.000 Menschen. Es sind Streiks angemeldet in über 180 Orten in Deutschland. Alleine das ist tatsächlich außergewöhnlich."

Deutschland auf dem Kurs, die Klimaziele "krachend zu verfehlen" 

Was Deutschland für das Klima tut, sei überhaupt nicht ausreichend, sagt die Aktivistin, die gerade auf einer Pressekonferenz des New Climate Institut war und davon berichtet, dass "Deutschland nicht nur sehr wenig tut, um die Ziele zu erreichen, sondern gerade auf dem besten Kurs ist, diese Ziele krachend zu verfehlen und 120 Prozent zu wenig tut, um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen, also nicht in Dimension an das herankommt, was eigentlich gemacht werden müsste."

Wissenschaftler unterstützen die Fridays for Future

Klimaschutz sei was für Profis, hatte FDP-Chef Christian Lindner über die Fridays for Future gelästert. Neubauer kontert, dass sich inzwischen tausende Wissenschaftler hinter die Kampagne der Schüler stellen "und deutlich machen, dass unsere Forderungen sehr berechtigt sind und unsere Streiks auch.“ Lindner habe nicht verstanden, "worum es hier geht und in welcher Krise wir sind."

"Ich nehme mir für viele Dinge und Meinungen gerne Zeit aber nicht für Christian Lindner, der nicht verstanden hat, worum es hier geht und in welcher Krise wir sind."

Luisa Neubauer
Dauer

Flüge und gleichzeitig das Klima schützen...

Kritiker halten ihr vorn, wie oft sie zum Beispiel fliegt und sich andererseits für Klima einsetzt. "Natürlich bin ich schon mal geflogen, das ist auch gar nichts, was ich verheimlichen möchte und gleichzeitig wird da ja eine Liste an Flugzielen aufgelistet, zu denen ich überhaupt nie geflogen bin", sagt Neubauer. "Mittlerweile habe ich dazu gelernt und fliege deutlich weniger oder fast nie, ernähre mich vegan, um meinen persönlichen CO2-Fußabdruck zu minimieren und kompensiere, was ich kompensieren kann."

"Ich denke auch, dass wir freitags in die Schule gehen sollen"

Auf Kritik, dass die Schüler während der Schulzeit demonstrieren und daher die Schulpflicht missachten, entgegnet die junge Frau: "Ich denke auch, dass wir freitags in die Schule gehen sollen oder in meinem Fall meine Bachelor-Arbeit schreiben sollten. Ich denke aber auch, dass die Regierung sich um unsere Zukunft kümmern soll."

Wie lange sie wohl noch freitags zusammen mit anderen Demonstranten auf die Straße gehen will? "Wir sehen gerade eine beeindruckende Untätigkeit der Menschen, die für unsere Zukunft Verantwortung tragen. Und solange wir da keine Änderung sehen, werden wir auch nicht aufhören, uns für unsere Zukunft einzusetzen."

AUTOR/IN
STAND
INTERVIEW