Junge Frau hält ein Bündel voll Geldscheinen in ihrer Hand (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Frauen und Finanzen ARD-Börsenexpertin: Mehr Interesse der Frauen an Geld-Fragen

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Beim Internationalen Frauentag geht es vor allem um die Gleichstellung von Frauen gegenüber Männern. Wie sieht das beim Thema Geld aus? Wir haben mit ARD-Börsenexpertin Anja Kohl gesprochen.

Frauen interessieren sich durchaus für Finanzen: "53 Prozent der Zuschauer unserer Sendung 'Börse vor acht' sind Frauen", sagte die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl im SWR. Ihrer Meinung nach ist das wichtig, "weil Geld eines schaffen kann: Möglichkeiten". Dies beginne nicht bei Aktien, sondern beim Einkommen und das sei die Basis für Vermögen.

"Allerdings verdienen Frauen in der Regel noch immer 20 Prozent weniger als Männer", so Kohl. Die Börsen-Journalistin findet, dass Frauen sich für eine Anpassung der Gehälter starkmachen sollten: "Sie müssen auch zum Teil härter werden. Wie oft ist es so, dass Frauen noch etwas ehrenamtlich machen, was in Wirklichkeit Arbeit ist."

Börsen-Expertin Anja Kohl (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Sie ist das weibliche Gesicht der ARD Börsensendung Börse im Ersten)
Anja Kohl berichtet seit mehr als 20 Jahren von der Frankfurter Börse Sie ist das weibliche Gesicht der ARD Börsensendung Börse im Ersten

"Das Ehegatten-Splitting muss abgeschafft werden"

Die Finanzberaterin Helma Sick warnt davor, sich allein vom Mann abhängig zu machen. "Es gibt immer noch Frauen, die nicht ihr eigenes Geld verdienen, weil er es so will. Für sie ist ihr Mann die Altersvorsorge." Wenn alles gut gehe, sagte Sick im SWR.

Für die Finanzberaterin ist die Abschaffung des Ehegattensplittings längst überfällig. "Es passt nicht mehr in diese Zeit, weil es eine einzige Lebensform begünstigt und zwar die Alleinverdiener-Ehe." Sie habe immer wieder von Frauen gehört: "Mein Mann hat ausgerechnet, dass es sich nicht lohnt, wenn ich arbeite. Wenn sie dann Geld mit einem Minijob beisteuert, ist das langfristig kontraproduktiv, weil sie im Job nicht weiterkommt."

"Börse wird noch immer als männlich wahrgenommen"

Im direkten Umfeld von Anja Kohl, an der Frankfurter Börse, arbeiten inzwischen genauso viele Frauen wie Männer. Das sei vor 20 Jahren noch deutlich anders gewesen. "Wir sehen auch in Umfragen, dass dieses Thema immer noch als vermeintlich männlich dominiertes wahrgenommen wird." Vielleicht, so Kohl, liege es daran, "dass es immer noch Dinosaurier gibt, die auf Biegen und Brechen versuchen, das, was ist, zu bewahren".

Sie persönlich habe noch nie eine Frau erlebt, sagt Kohl, die gesagt habe, Geld und Finanzen interessiere sie überhaupt nicht. Manchmal sei es aber vielleicht auch ein Stück Faulheit: "Geld ist per se kein super schönes Thema. Ein Buch zu lesen oder sonst irgendetwas Schönes zu machen, ist vielleicht angenehmer." Aber, so sagt Kohl: "Man muss keine Professorin sein, um Finanzthemen und Wirtschaft zu verstehen. Das ist ja keine Quantenphysik."

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