100 Jahre Frauenwahlrecht (Foto: picture-alliance / dpa)

100 Jahre Frauenwahlrecht Merkel fordert Parität in allen Bereichen der Gesellschaft

AUTOR/IN
AUTOR/IN
AUTOR/IN

Seit 100 Jahren dürfen Frauen in Deutschland wählen - und auch selbst Politik machen. Das tun aber viel zu wenige Frauen, finden viele deutsche Politikerinnen.

Mit einem Festakt in Berlin hat die Bundesregierung die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren gewürdigt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einer fundamentalen politischen Entscheidung. Diese sei für die Gleichberechtigung von Mann und Frau von wesentlicher Bedeutung.

Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen

Die Kanzlerin mahnte aber auch dazu, noch mehr für Frauen zu tun. Das Ziel müsse Parität sein, also eine gleichmäßige Verteilung von Männern und Frauen, so Merkel.

Wo stehen Frauen im Hinblick auf Politik heute?

Das Frauenwahlrecht ist zweifelsfrei ein Meilenstein deutscher Geschichte. Der Blick auf heute ist für die ehemalige Bundesfrauenministerin Rita Süssmuth (CDU) dagegen eher enttäuschend:

Wir haben viel erreicht, aber wir stellen fest, dass wir noch nie so eine fallende Bewegung im Bereich der Mandate, im Bereich kommunaler Ämter oder im Bereich der Führungspositionen von Frauen gehabt haben, wie sie sich gegenwärtig aus den Daten ablesen lässt.

Rita Süssmuth (CDU), ehemalige Bundesfrauenministerin
Rita Süssmuth (CDU) (Foto: Imago, imago/viadata)
Rita Süssmuth (CDU) Imago imago/viadata

Im Bundestag etwa, dessen Präsidentin Süssmuth vor 30 Jahren wurde, sitzen heute mit 30,9 Prozent verhältnismäßig so wenig Parlamentarierinnen wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Weiter meint Süssmuth deshalb, dass wir uns nicht auf früheren Errungenschaften ausruhen sollten. Ganz im Gegenteil: Man müsse immer wieder hinterfragen, wie lebendig die heutigen Maßnahmen seien und wachsam gegenüber neuen Widerständen bleiben.

Was wäre die Politik ohne Frauen?

Süssmuth ist der Meinung: Ohne das Wahlrecht für Frauen wäre der Bundestag ein weniger gemäßigtes Parlament. Frauen schätzten nämlich Parteien, die sich um ihre Lebenswirklichkeit kümmern, sagen auch Wahlforscher - Männer hingegen wählten mehr Protest.

So erhielt die Union bei der Bundestagswahl 2017 36,4 der Stimmen von Frauen, von Männern nur 29,2 Prozent, die Grünen 10,2 von Frauen und 7,6 Prozent der Stimmen von Männern. Ohne Unterschied ist allein die SPD. Die Linke und FDP wählten mehr Männer - und vor allen die AfD: 16,3 Prozent Männerstimmen, nur 9,2 von Frauen.

Politikerinnen fordern Wahrrechtsreform für mehr Frauen in der Politik

Zum 100. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts fordert die Vorsitzende des Landesfrauenrats Baden-Württemberg, Charlotte Schneidewind-Hartnagel (Die Grünen) erneut eine Wahlrechtsreform.

Charlotte Scheidewind-Hartnagel (Bündnis 90Die Grünen) (Foto: Imago, imago/7aktuell)
Charlotte Scheidewind-Hartnagel (Die Grünen) Imago imago/7aktuell

"Wir müssen weg von dem Einstimmenwahlrecht und hin zum Listenwahlrecht, um Parität durchsetzen zu können", sagte sie im SWR und kritisierte, dass sich die CDU-Fraktion im Stuttgarter Landtag einer Reform verweigere. Zur Verbesserung forderte Schneidewind-Hartnagel eine Verankerung der Parität im Gesetzbuch.

Mit dieser Forderung ist die Grünen-Politikerin nicht alleine: Auch Bundespolitikerinnen wie Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) und CDU-Generalsekretärin Anngeret Kramp-Karrenbauer hatten zuletzt eine Änderung des Wahlrechts gefordert.

Was das bewirken könnte und wie sich so ein Paritätsgesetz zum Beispiel in Frankreich auswirkt, lesen Sie im folgenden Artikel.

AUTOR/IN
STAND
AUTOR/IN
AUTOR/IN