Porträt Tomi Ungerer (Foto: dpa Bildfunk)

Zeichner und Buchillustrator Tomi Ungerer gestorben "Das Leben ist eine Schule, der Tod die großen Ferien"

Der 1931 in Straßburg geborene Zeichner und Buchillustrator Tomi Ungerer ist tot. Er starb in der Nacht zum Samstag im Alter von 87 Jahren.

Auch wenn das Alter ihm zunehmend zu schaffen machte - auf die Arbeit wollte Tomi Ungerer nicht verzichten: "Wenn man aufhört zu denken und zu arbeiten, dann wird man alt".

Vor zwei Jahren an seinem 85. Geburtstag spottete er mit der Zigarette in der Hand über seine Krebserkrankung: "Tumor mit Humor", sagte Ungerer, der sich gerne als "fröhlichen Pessimisten" charakterisierte.

Unter dem Eindruck mehrerer Herzinfarkte machte Ungerer sich auch Gedanken über den nahenden Tod:

"Das Leben ist eine Schule, der Tod die großen Ferien".

Gestorben ist Tomi Ungerer im Haus seiner Tochter in Cork in Irland. Dort und in seinem Geburtsort Straßburg lebte er seit 1976 mit seiner dritten Frau und den drei Kindern. Der stellvertretende Bürgermeister seiner Geburtsstadt Straßburg, Alain Fontanel, sagte, Ungerer bleibe nicht nur als großer Künstler in Erinnerung. Er sei auch ein Repräsentant der Doppel-Kultur des Elsass gewesen.

Das Land Baden-Württemberg verlieh Ungerer 2018 die Ehrenprofessorwürde. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) lobte damals seinen Einsatz für die Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen. Ungerer sei immer ein Lausbub geblieben, dem die Lust am Provozieren nie abhandengekommen sei.

Dauer

Seine Werke für Jung bis Alt

Bekannt wurde er durch seine Karikaturen und Bilderbücher für Kinder wie "Die drei Räuber" und "Der Mondmann". Für seine Arbeiten hat er zahlreiche Auszeichnung erhalten, darunter den international renommierten Hans-Christian-Andersen-Preis. Außerdem schuf er scharfzüngige und erotische Bilderbücher für Erwachsene.

In der ARD-Kultursendung "Titel, Thesen, Temperamente" sagte er einmal:

"Ich war immer an Vögeln interessiert - und auch am Vögeln, beides.“

In Straßburg gibt es seit 2007 das Tomi-Ungerer-Museum (Foto). SWR-Frankreich-Korrespondentin Sabine Wachs hat es kürzlich besucht und schildert ihre Eindrücke im Audio.

Ungerer, der auch fast 20 Jahren in den USA lebte und dort beispielsweise das Filmplakat für Stanley Kubricks "Dr. Seltsam" zeichnete, erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1993 das Deutsche Bundesverdienstkreuz, 2002 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und 2018 den Orden der französischen Ehrenlegion.

Tomi Ungerer in der Kunsthalle Schwäbisch Hall vor zwei seiner Werke. (Foto: dpa Bildfunk)
Tomi Ungerer in der Kunsthalle Schwäbisch Hall vor zwei seiner Werke

Ehrendoktor in Karlsruhe

Von der Universität Karlsruhe wurde ihm 2004 der Ehrendoktor verliehen. Damals sagte er: "Ich habe kein Abitur gehabt. Ich bin sogar per Anhalter nach Karlsruhe gegangen, um zu wissen, ob ich da Mineralogie und Geologie studieren könnte. Nein, ohne Abitur war das nicht möglich. Und jetzt bin ich von der gleichen Universität doctor honoris causa. Es ist unglaublich."

AUTOR/IN
STAND