Ein Mädchen hält ein Schild mit der Aufschrift "Zieh die Notbremse" (Pull the Emergency Brake) während sie über das Geröll des Okjökull zu einer Gedenkveranstaltung für den vergangenen Gletscher wandert. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Fortschreitende Gletscherschmelze Klimawandel lässt Eis der Gletscher schwinden

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Hohe Lufttemperaturen sind der Tod der Gletscher. Das geht aus Daten aus der Schweiz hervor. Diese sind auch ein Indiz für den fortschreitenden Klimawandel.

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Die Bilanz ist eindeutig: In der Summe schmelzen die Gletscher weltweit dahin und zwar in wachsender Geschwindigkeit. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich das Tempo jeweils verdoppelt. Die Forscher des Schweizer „World Glacier Monitoring Service“, kurz WGMS, haben das in Zahlen übersetzt und kommen zu dem Schluss: In gut 50 Jahren sind 9.000 Milliarden Tonnen Eis verschwunden. Das entspräche einer Eisplatte so groß wie Deutschland und etwa 30 Meter dick.

Gletscher schmelzen – Meeresspiegel steigen

Die Schmelze trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Ein Millimeter pro Jahr geht auf ihr Konto, haben Wissenschaftler errechnet. Das entspricht etwa einem Drittel der gemessenen Gesamterhöhung. Jeweils ein weiteres Drittel tragen die Eisschmelze an den Polen und die Ausdehnung des Wassers durch die Erwärmung bei.

Ein Einheimischer raucht eine Zigarette, während er auf einem Boot an Eisbergen vorbeifährt. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
In Grönland sind die Gletscher in den vergangenen Jahren besonders stark geschmolzen. Picture Alliance

Klimawandel-Skeptiker sehen Zahlen trotzdem kritisch

Es gibt allerdings auch Gletscher, die wachsen. Darauf weisen vor allem so genannte Klimaskeptiker hin. Die Schweizer Forscher von WGMS dokumentieren auch das: Rund 20 Prozent der beobachteten Gletscher weltweit haben im Vermessungszeitraum tatsächlich an Größe zugelegt. Aber zum einen ist deren Zuwachs eben klein – im Vergleich zum Verlust der überwiegenden Mehrheit – und zweitens ließe sich auch dieser Effekt durch den Klimawandel erklären.

Durch die Erwärmung kommt es in einigen Regionen zu verstärkten Niederschlägen, die in großer Höhe weiter als Schnee fallen und die die Gletschermasse in diesen Gebieten anwachsen lassen.

Luftaufnahme des damals noch existierenden Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok 1986 (links) und 2019 (rechts) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Der 700 Jahre alte Okjökull gilt formell nicht mehr als Gletscher, weil er mit nur noch 15 Metern Eisdicke zu leicht geworden ist, um sich vorwärts zu schieben. Picture Alliance

Schweizer Prognose für die Gletscher-Zukunft fällt drastisch aus

Eine andere Wissenschaftlergruppe der ETH Zürich hat am Beispiel der Alpengletscher versucht, den Trend fortzuschreiben: Bis 2050 wird die Hälfte ihre Masse verlieren. Und das selbst unabhängig davon, ob die Menschheit mehr oder minder Klimaschutz betreibt.

Die Frage, wie erfolgreich der Kampf gegen den Klimawandel ist, wird sich demnach erst später klären. Angeblich verschwinden mehr als 90 Prozent der Alpen-Gletscher noch in diesem Jahrhundert, sollten wir weiter wirtschaften wie bisher.

Sollte es gelingen, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, könnte ein Drittel der Gletscher übrig bleiben. Der Weltklimarat kommt bei globaler Betrachtung durchaus zu ähnlichen Ergebnissen.

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