Eine Frau zeigt vor einem Computermonitor auf das Logo der Bewertungsplattform Yelp (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fitnessstudio klagt gegen Online-Portal BGH verhandelt über Unternehmens-Bewertungen auf Yelp

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Eine Fitnessstudiobetreiberin aus Bayern findet, dass sie auf der Online-Bewertungsplattform Yelp zu schlecht wegkommt. Die Frau klagt, sie habe deshalb Kunden verloren. SWR-Rechtsexperte Bernd Wolf hat den Auftakt des Prozesses in Karlsruhe verfolgt.

Die entscheidende Frage vor dem BGH ist: Wie kommt eine Plattform auf ihre durchschnittlichen Bewertungen? Bei Yelp können Nutzerinnen und Nutzer einen bis fünf Sterne vergeben. In die Gesamtbewertung fließen allerdings nur "empfohlene Beiträge" ein. Eine von Yelp automatisierte Software sucht diese aus.

Klägerin wirft Intransparenz vor

SWR-Rechtsexperte Bernd Wolf sagt: "Die Klägerin wirft Yelp vor, intransparent zu sein. Kein Mensch außer den Programmierern des Unternehmens wisse, wie das Portal aussortiere." Für sie sei das kein Spaß, sage die Klägerin, weil ihr Unternehmen wirtschaftlich von den Bewertungen abhänge. Eine Antwort darauf, wie die Bewertungen zustande kämen, habe sie nicht bekommen.

Yelp beruft sich auf Meinungsfreiheit

Der Anwalt von Yelp wollte den Algorithmus des Unternehmens vor dem BGH nicht offenlegen. "Der Anwalt ist der Meinung, dass nur das Unternehmen etwas angeht, wie der Algorithmus arbeitet", sagt Rechtsexperte Wolf.

Yelp habe versichert, dass die Userinnen und User, die Kommentare abgäben, seriös seien. Sie seien bekannt und öfter auf dem Portal unterwegs. Gefälligkeitsbewertungen und Fälschungen könnten so aussortiert werden. Wolf weiter: "Ansonsten beruft sich das Unternehmen auf seine Meinungsfreiheit und auf sein Geschäftsgeheimnis."

Wie könnte das Urteil ausfallen?

Die Richter am BGH werden erst Mitte Januar das Urteil fällen. Welche Tendenzen es gibt, dazu hören Sie die Einschätzung von Bernd Wolf im Audiobeitrag:

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Für den Geschäftsführer der Agentur für Reputationsmanagement Revolvermänner, Christian Scherg, haben Bewertungsportale eine "riesige" Macht. Bewertungen im Internet seien existenziell für große Unternehmen, für mittelständische und auch für kleine, sagte Scherg im SWR: "Das ist oft die einzige Möglichkeit im Internet Werbung für sich zu machen."

"Wenn ich als Kunde sehe, dass ein Hotel nur einen Stern hat, dann fahre ich da nicht hin."

Christian Scherg
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Wenn das Profil nicht mehr positiv sei, breche richtig Umsatz weg, sagte Scherg: "Dann setzt das Unternehmen natürlich alles daran, diese positiven Bewertungen überhaupt zu bekommen. Und dann kaufen Unternehmen eben auch Bewertungen."

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