Der verstorbene Wilhelm Wieben im Portrait (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Ehemaliger Tagesschau-Sprecher Wilhelm Wieben ist tot

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Er war 25 Jahre lang eines der Gesichter der Tagesschau. Fast auf den Tag genau vor 20 Jahren las er zum letzten Mal die 20-Uhr-Ausgabe. Wieben starb im Alter von 84 Jahren.

Wilhelm Wieben kam am 2. Juni 1935 im schleswig-holsteinischen Hennstedt auf die Welt. Nach ARD-Angaben absolvierte er erst eine Verwaltungslehre und durchlief danach eine Schauspielausbildung.

Seine Fernsehkarriere begann Wieben in den 60er-Jahren beim Sender Freies Berlin. Später wechselte er in die Redaktion der Tagesschau. Ab 1973 war er als Tagesschau-Sprecher im Einsatz und prägte die Sendung über 25 Jahre maßgeblich mit.

1998 Abschied aus der Tagesschau

Bis 1998 war Wieben als Sprecher der ARD-Nachrichtensendung regelmäßig zu sehen. Am 24. Juni 1998 verabschiedete sich der Sprecher von seinem Publikum - er sprach zum letzten Mal die Tagesschau.

Sprecher, Schauspieler, Autor

Wilhelm Wieben lebte in Hamburg und schrieb bis zu seinem Tod vor allem Bücher auf Plattdeutsch, das er als seine Muttersprache ansah. Hochdeutsch habe er erst in der Schule gelernt, sagte Wieben einmal bei einer Lesung. Außerdem sprach er Hörbücher ein und moderierte gelegentlich Fernsehsendungen.

Hofer: Wieben war ein "Gentleman alter Schule"

Der Chefsprecher der Tagesschau, Jan Hofer, hat seinen Ex-Kollegen Wilhelm Wieben als "unfassbar höflichen" Menschen gewürdigt. Im SWR sagte Hofer, Wieben sei ein "unglaublich zuvorkommender, belesener" Mensch gewesen. Die verstorbene Schauspielerin Inge Meysel habe Wieben geradezu geliebt und mit ihm viele Reisen unternommen. Hofer selbst habe eine sehr persönliche Beziehung zu Wieben gehabt.

Was Wieben zu Hofer sagte, nachdem dieser seine erste Probesendung bei der Tagesschau gemacht hatte, hören Sie im Audio.

Schauspielerin Inge Meysel outete Wieben 1995 im Spiegel versehentlich als homosexuell. "Eigentlich habe ich nur schwule Freunde. Ich verreise zum Beispiel gerne mit Wilhelm Wieben", sagte sie dem Magazin damals. Er nahm ihr das aber nicht übel und stimmte einer Veröffentlichung ausdrücklich zu. Sonst versuchte Wieben, sein Privatleben diskret zu behandeln.

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