Stimmabgabe in eine Wahlurne (Foto: Imago, Eibner)

Europawahl 2019 Warum wählen wir nicht online?

Sich durch die Unterlagen der Briefwahlen wühlen oder am Wahltag seine Stimme im zuständigen Lokal abgeben. Geht das nicht bequemer - beispielsweise per Online-Wahl?

Am 26. Mai ist in Deutschland der Wahltag für die Europawahl. Laut einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes sind fast 65 Millionen Deutsche wahlberechtigt.

Online-Wahl: Gute Idee oder besser doch nicht?

Viele Menschen haben ihre Stimme bereits per Briefwahl abgegeben. Obwohl Bundeswahlleiter Georg Thiel das zuletzt kritisierte, scheint die flexible und bequeme Stimmabgabe unabhängig vom Wahltag gut bei den Menschen anzukommen. Wäre da mit den heutigen technischen Möglichkeiten nicht der konsequente nächste Schritt, Online-Wahlen zu ermöglichen?

"Online-Wahl wäre ganz schön unsicher"

Nein, sagt SWR-Berlin-Korrepsondent Christopher Jähnert. "Ziemlich häufig lesen wir über Hacker-Angriffe oder Abzocke beim Online-Banking", erklärt er und macht damit auf eine große Gefahr bei möglichen digitalen Wahlen aufmerksam.

Außerdem gebe es die Möglichkeit, dass im Internet Identitäten gestohlen werden. "Im Wahllokal kann wenigstens unser Ausweis angeschaut werden", so Jähnert - merkt aber an, dass dieses Problem über ein TAN-Verfahren gelöst werden könnte.

Gefahr von "Family-Voting" bei der Online-Wahl

So sieht das auch Jörn Müller-Quade, Professor für Kryptografie und Sicherheit am Karlsruher Institut für Technologie. Aber: Selbst mit einem Code, den der Hacker nicht hat, wäre eine Online-Wahl seiner Meinung nach noch nicht ganz sicher.

Denn hier könnte auch ein so genanntes "Family-Voting" gemacht werden: "Das heißt einer sagt: 'Bringt doch mal alle eure Briefwahlunterlagen oder alle eure Onlinedaten her und ich wähle für alle.' So etwas ist eine Bedrohung, der man nur begegnen kann, wenn man in ein Wahlbüro geht, dort in eine Wahlkabine und dort wirklich ungestört ist."

Wahlcomputer sind in Deutschland verboten

In der Wahlkabine wird in Deutschland nur mit Stift und Papier gewählt - Wahlcomputer hat das Bundesverfassungsgericht verboten. Warum Müller-Quade im Einsatz von Computern in der Wahlkabine eine große Gefahr sieht, erklärt er im Audio:

Dauer

Mehr Informationen zur Europawahl und den Kommunalwahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz finden Sie hier.

REDAKTION
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