Wehende EU-Flagge: Wie werden die Europäerinnen und Europäer wählen? (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Monika Skolimowska/ZB/dpa)

Europawahl 2019 Bertelsmann-Studie: So wählen die Menschen in der EU

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Am 26. Mai ist Europawahl. Für wen werden die Menschen ihr Kreuzchen setzen? Eine Studie hat erste Antworten und drängt die Menschen, doch wählen zu gehen.

Alle warnen seit Monaten vor einem Rechtsruck in Europa. Politiker, Gewerkschaften, die Kirche. Jetzt, vier Wochen vor der Wahl, kommt auch von der Bertelsmann-Stiftung nochmal ein dramatischer Aufruf zur Wahlbeteiligung.

Im Audiobeitrag erzählt Hauptstadtkorrespondent Andreas Reuter, weshalb die deutschen Spitzenkandidaten für die Europawahl kaum bekannt sind:

Viele wissen offenbar nur, was sie nicht wollen

Die Bertelsmann-Stiftung bezieht sich auf eine Online-Umfrage in den zwölf größten europäischen Ländern. Diese attestiert den Europäern eine gewisse Anti-Haltung: Mehr als zwei Drittel der Befragten wissen nur, wo sie ihr Kreuzchen nicht machen wollen. Das sei kein gutes Zeichen für die Demokratie, meint Robert Vehrkamp, Mitautor der Bertelsmann-Studie.

"Wir sehen schon seit Jahren, dass immer mehr Menschen nicht mehr aus einer positiven Partei-Identifikation heraus ihre Wahlentscheidung treffen, sondern aus so einer Art Anti-Haltung", sagt Vehrkamp. "Sie wissen also sehr genau, was sie nicht wollen, wissen aber nicht mehr so ganz genau, was sie im positiven Sinne wollen."

Vor allem Rechte laut Studie erfolgreich

Das nutzten die Populisten in ihren Mobilisierungsstrategien aus. Populistische Parteien an den Rändern links und rechts mobilisierten gegen das Establishment, gegen die Europäische Union und teilweise sogar gegen die Demokratie. Damit sind vor allem die Rechten erfolgreich: Zehn Prozent der befragten Wahlberechtigten identifizieren sich klar mit einer rechtspopulistischen oder gar rechtsextremen Partei.

Doch was sind die Ursachen dafür? Auch hier hat die Studie eine Antwort. Vehrkamp sagt, die Ergebnisse seien ziemlich eindeutig. Menschen würden populistisch wählen, wenn sie sich nicht mehr ausreichend vertreten fühlten. "Wenn sie subjektiv das Gefühl haben, ihr Probleme und ihre Interessen werden nicht mehr ausreichend von den etablierten Parteien gespiegelt."

Hohe Wahlbeteiligung wichtiger denn je?

Aber es gibt auch ein ermutigendes Ergebnis: Zwei Drittel der befragten Europäer haben in der Online-Umfrage im Januar angegeben, dass sie zur Wahl gehen wollen - allerdings, diese Absicht werde Ende Mai vermutlich nicht von allen eingelöst, sagt Vehrkamp.

"Das ist vor allem in der etwas wahlmüden politischen Mitte so", so der Forscher. Für den Ausgang der Wahl sei das eine große Gefahr. Denn wenn mehr Menschen von den politischen Rändern zur Wahl gingen als aus der politischen Mitte, bekämen wir laut Vehrkamp ein verzerrtes Wahlergebnis. Sein Fazit: Noch bei keiner Europawahl sei eine hohe Wahlbeteiligung so wichtig gewesen wie in diesem Jahr.

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