Auf einer Anzeigentafel für Abflüge werden Verspätungen angezeigt. Der EuGH hat heute zu Entschädigungen bei bei verspätetem Anschlussflug außerhalb der EU geurteilt (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Fluggastrechte in der EU EuGH-Urteil: Entschädigung auch bei verspätetem Anschlussflug außerhalb der EU

Nach EU-Recht haben Reisende Anspruch auf Entschädigung, wenn ihr Flieger mehr als drei Stunden zu spät ankommt. Der EuGH hat jetzt entschieden, dass das auch für Anschlussflüge gilt.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied am Donnerstag, dass die sogenannte EU-Fluggastrechteverordnung auch dann gilt, wenn sich ein Anschlussflug außerhalb der EU verspätet, der von einer anderen Airline durchgeführt wurde.

EuGH stärkt Fluggastrechte

Geklagt hatten mehrere Reisende, die bei dem tschechischen Luftfahrtunternehmen Ceske aerolinie einen Flug von Prag nach Bangkok gebucht hatten. In Abu Dhabi mussten sie umsteigen. Die zweite Teilstrecke übernahm die Fluggesellschaft Etihad. Dieser Flug verspätete sich um mehr als acht Stunden.

Nach EU-Recht steht Fluggästen bei Verspätungen von mindestens drei Stunden eine Entschädigung zu. Diese machten die Kläger bei der tschechischen Airline geltend. Doch die weigerte sich zu zahlen. Die Begründung des Unternehmens: Der Anschlussflug sei von einer anderen Fluggesellschaft durchgeführt worden - deshalb hafte sie für die Verspätung nicht.

Kläger bekommen Recht: Airline muss Entschädigung zahlen

Mit dem Urteil hat der EuGH den Klägern Recht gegeben. Entscheidend aus Sicht der Richter: Die Kläger hatten die gesamte Flugreise bei der tschechischen Airline gebucht. Deshalb müsse sich diese die deutliche Verspätung beim Anschlussflug zurechnen lassen und den Flugreisenden eine Entschädigung zahlen.

Die tschechische Airline kann sich allerdings das Geld nach europäischem Recht wiederum von Etihad zurückholen.

Ähnliches EuGH-Urteil im vergangenen Jahr

Bereits im vergangenen Jahr hatte der EuGH in einem ähnlich Fall einer Deutschen eine Entschädigung zugebilligt. Sie hatte bei Royal Air Maroc einen Flug von Berlin nach Agadir in Marokko gebucht. In Casablanca musste sie umsteigen und einen Anschlussflug nehmen. Doch der gebuchte Anschlussflug wurde ihr verweigert. Ihr Sitzplatz sei anderweitig vergeben worden, hieß es. Der nächste Anschlussflug erfolgte mit vier Stunden Verspätung.

Royal Air Maroc verweigerte eine Entschädigung. Begründung: Der verspätete Anschlussflug habe außerhalb der EU stattgefunden. Die europäische Fluggastrechteverordnung gelte aber nicht in Marokko. Der EuGH ließ das nicht gelten: Der Abflug in Berlin und der Anschlussflug in Marokko seien wie ein und derselbe Flug anzusehen. Deshalb gelte die EU-Fluggastrechteverordnung, die Klägerin habe einen Anspruch auf Entschädigung.

Gerade in Hauptferienzeit wollen viele Menschen in den Urlaub fliegen. Aber: Welche Rechte hat man bei Verspätungen? Ein Video von den Kollegen der Landesschau Baden-Württemberg:

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