Nordpol: Auf dem Arktischen Ozean am Nordpol schwimmen mehrere Eisplatten (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Transport in der Atmosphäre Es schneit Mikroplastik

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Das Plastik in den Meeren ist ein Dauerthema. Mikroplastik wird aber auch in erheblichen Mengen über weite Strecken über die Atmosphäre transportiert und landet dann auch in entlegenen Gebieten der Erde – selbst auf treibenden Eisschollen im Polarmeer.

Dabei spielt offenbar vor allem Schnee eine wichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam des Alfred-Wegener-Instituts in der Fachzeitschrift "Science Advances".

Die Forscher fanden Mikroplastik in Schneeproben von den Alpen bis in die Arktis. Sie nahmen sogar Schnee-Proben von fünf Eisschollen, die zwischen Grönland und Spitzbergen trieben.

Konzentration von Mikroplastik hängt vom Standort ab

Die Konzentration hing dabei stark vom Standort ab: Je weiter weg von dicht besiedelten und industrialisierten Gebieten, desto weniger Mikroplastik fand sich im Schnee. An einer Landstraße in Bayern maßen die Forscher 154.000 Partikel pro Liter, in der Arktis knapp ein Zehntel davon.

Dass Mikroplastik über die Luft transportiert wird, ist nicht grundsätzlich neu. Doch die Werte sind deutlich höher als früheren Schätzungen zufolge. Die Forscher führen das auf die Vorgehensweise zurück. Frühere Erhebungen beruhten auf Messungen in Staubablagerungen.

Auch Staub – etwa aus der Sahara – wird vom Wind über weite Entfernungen transportiert und nimmt dabei Plastik mit. Doch Schnee wäscht das Mikroplastik offenbar besonders effizient aus der Atmosphäre aus, sagt Gunnar Gerdts vom AWI, der an der Studie beteiligt war. Das könne die unerwartet hohe Konzentration erklären.

Um welchen Kunststoff handelt es sich?

Hinzu kommt die Messmethodik. Gerdts untersuchte die Proben mithilfe von Infrarotspektroskopie. Dabei werden die Rückstände im geschmolzenen Schnee mit Infrarotlicht bestrahlt. Dadurch können noch wesentlich kleinere Teilchen erfasst werden als bei früheren Untersuchungen, bei denen das Plastik per Hand aus den Proben herausgelesen wurde.

Am "optischen Fingerabdruck" lasse sich jetzt sogar ermitteln, um welchen Kunststoff es sich handelt. Bei dem über die Luft transportierten Mikroplastik handelt es sich überwiegend um Abrieb von Baumaterialien, Lacken und Reifen – Plastiktüten spielen dabei praktisch keine Rolle.

"Wahrscheinlich kommt ein Teil davon sogar aus Europa"

Die Verbreitung von Plastik über die Atmosphäre fand bisher – anders als das Plastik in den Weltmeeren – wenig Beachtung. Es gibt dabei einen großen Unterschied: Das Plastik in den Ozeanen stammt einer "Nature-Studie" von 2017 zufolge zum größten Teil aus Plastik-verschmutzen Flüssen in Asien, insbesondere China. Der Eintrag aus Europa spielt dabei nur eine geringe Rolle.

Beim mikroplastik-haltigen Schnee scheint es anders zu sein – zumindest, was die Proben im Nordpolarmeer betrifft. "Wahrscheinlich kommt ein Teil davon sogar aus Europa", sagt Gerdts Kollegin Melanie Bergmann. Das folgern sie aufgrund des Vergleichs mit dem Transport von Pflanzenpollen. Mikroplastikteilchen haben eine ähnliche Größe wie Pollenkörner – und deren Verbreitung über die Luft ist schon relativ gut untersucht.

Was macht Mikroplastik mit dem menschlichen Körper?

Kaum erforscht ist dagegen, was das Mikroplastik im menschlichen Körper anrichtet. Vor einem Jahr sorgte eine Studie für Aufsehen, wonach im Stuhl von Menschen praktisch auf der ganzen Welt Mikroplastikspuren nachgewiesen werden können.

Gut möglich, dass das Plastik, dass Menschen über die Nahrung aufnehmen, weitgehend unverändert wieder ausgeschieden wird. Doch die neue Studie legt nahe, dass ein Teil des Plastiks auch über den Luftwege in den Körper gelangt. Eingeatmetes Mikroplastik aber – zumindest die allerkleinsten Teilchen – ist faktisch Feinstaub. Von dem weiß man wiederum, dass er Lungen-, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen begünstigt.

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