Nach dem Brückeneinsturz in Genua (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Antonio Calanni/AP/dpa - Bildfunk)

Ein Jahr nach Brückeneinsturz von Genua DIW-Präsident fordert mehr Investitionen in Deutschland

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Eine Katastrophe wie in Italien befürchtet DIW-Präsident Marcel Fratzscher in Deutschland zwar nicht. Dennoch hält er mehr Investitionen in Brücken und Straßen für notwendig.

Die Baufälligkeit mehrerer hundert Brücken auch bei uns in Deutschland sei bekannt, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im SWR. Als Beispiel nannte Fratzscher die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden: "Wir haben in Deutschland schon ein gutes Kontrollsystem. Aber: Was Deutschland hat, ist ein Problem bei den öffentlichen Investitionen - gerade auch in die Infrastruktur."

Falsche Prioritäten sorgen für Investitionsstau

Gründe für die mangelnden Investitionen sieht Fratzscher zum einen in falschen Prioritäten: "Es mangelt nicht an Geld. Die öffentlichen Haushalte haben Rekord-Überschüsse." Stattdessen seien lange Zeit Investitionen als weniger wichtig erachtet worden, und man habe Geld zum Beispiel in höhere Sozialausgaben gesteckt.

Klamme Kommunen können nicht investieren

Auch der Föderalismus in Deutschland sei einer der Gründe für die Investitions-Probleme. Viele der öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur müssten von den Kommunen getätigt werden. „Aber wir wissen: 30 Prozent der Kommunen in Deutschland sind überschuldet, können also viele der wichtigen Investitionen gar nicht umsetzen,“ so Fratzscher. Das Geld sei zwar da – aber es komme nicht da an, wo es nötig sei.

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