Blick in eine Gefängnisszelle mit Schreibtisch, Stuhl und Bett (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Ehemaliger Gefängnisarzt Joe Bausch zum Fall Epstein „Wer sich in Haft umbringen will, dem reichen 10 Minuten“

Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll sich in seiner Zelle erhängt haben - wie ist die Situation in Deutschland? Der ehemalige Gefängnisarzt Joe Bausch berichtet.

Die Gefängnisse in Deutschland sind seiner Meinung nach im Umgang mit suizidgefährdeten Häftlingen gut aufgestellt. Im SWR sagte der pensionierte Gefängnisarzt und "Tatort"-Schauspieler, ein entsprechend gefährdeter Häftling könne in Deutschland zum einen mit einem zuverlässigen Mitgefangenen zusammen untergebracht werden. Zum anderen sei eine Begehung der Zelle alle 15 Minuten möglich.

Alternativ gebe es auch eine Unterbringung in einer Zelle mit Kameraüberwachung. Nur so könne die nötige 24-stündige Überwachung der gefährdeten Person garantiert werden, erklärt Bausch: „Denn für eine Suizidhandlung reicht ein Zeitfenster von 10 Minuten. Wer sich, wie Epstein, erhängen will – und das ist die häufigste Suizidart im Gefängnis -, da braucht es nur 10-12 Minuten.“

Gefährdung in den ersten Monaten besonders hoch

Am häufigsten seien Insassen in den ersten drei bis sechs Monaten in Untersuchungshaft gefährdet. Um eine tatsächliche Suizidgefahr zu erkennen, braucht es laut Bausch Erfahrung und entsprechendes Training: „Das Wichtigste ist, dass alle genau hinschauen. Das Personal wird außerdem geschult, Suizidgefahr zu erkennen und es gibt regelmäßige Belehrungen und Weiterbildungen.“ Trotz dieser Maßnahmen geht Bausch pro Jahr von rund 110 Suiziden in deutschen Justizvollzugsanstalten aus.

"Konsequenzen kämen tausenden Suizidgefährdeten zu Gute"

Als Folge des mutmaßlichen Suizids des Milliardärs Epstein hofft Bausch, dass sich die Verhältnisse in US-Gefängnissen jetzt bessern. „Ich würde mir wünschen, dass jetzt beleuchtet wird, wie die Suizidvermeidungsstrategie in den Gefängnissen aussieht und dass man daraus Konsequenzen zieht, die letztlich vielen tausenden suizidgefährdeten Insassen in den USA zu Gute kommen“, so Bausch.

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