Thilo Sarrazin bei Buchvorstellung (Foto: picture-alliance / dpa, Kay Nietfeld)

Drittes Parteiausschlussverfahren Und wieder will die SPD Sarrazin rauswerfen

Schon zweimal wollte die SPD ihr Mitglied Thilo Sarrazin loswerden - vergeblich. Nun hat sie ein drittes Ausschlussverfahren gegen den umstrittenen Autor gestartet. Der bleibt gelassen.

Thilo Sarrazin nimmt das neuerliche Ausschlussverfahren nach eigenen Angaben nicht persönlich. Es sei Teil des innerparteilichen Machtkampfes um die künftige Linie der SPD, glaubt der Autor und frühere Finanzsenator von Berlin. Dem "Tagesspiegel" sagte er, er habe in seinem neuen Buch keine sozialdemokratischen Grundsätze verletzt. Und das gelte auch für seine vorherigen Veröffentlichungen. Er arbeite mit Fakten, auf deren Basis er seine Argumentation aufbaue.

Buch "Feindliche Übernahme": Islam als Gewaltideologie

Im Sommer hatte Sarrazin das Buch "Feindliche Übernahme" herausgebracht. Darin beschreibt er den Islam eine kulturell minderwertige Gewaltideologie, die dabei sei, Europa zu erobern. Sarrazin behauptet unter anderem, dass Muslime in zwei bis drei Generationen die Mehrheit in Deutschland stellen könnten, weil sie mehr Kinder bekämen. Vor allem aber sein 2010 erschienener Bestseller "Deutschland schafft sich ab" machte Sarrazin bekannt und sorgte für viel Diskussionsstoff.

Kommission: Sarrazins Thesen nicht mit SPD-Grundsätzen vereinbar

Eine Untersuchungskommission der SPD kam nun zu dem Ergebnis, dass die Thesen Sarrazins nicht mit den Grundsätzen der SPD zu vereinbaren seien und er der SPD schweren Schaden zufüge. Das Parteiordnungsverfahren liegt nun bei der Schiedskommission, die innerhalb von sechs Monaten entscheiden muss. Danach kann Sarrazin allerdings noch Rechtsmittel einlegen.

Mit früheren Versuchen, den ehemaligen Berliner Finanzsenator aus der Partei zu werfen, war die SPD gescheitert. Sarrazin sagte, er sei inzwischen seit 45 Jahren Mitglied der Sozialdemokraten. Seine politischen Grundeinstellungen hätten sich in dieser Zeit nicht verändert.

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