Über die Türkei machen sich viele Menschen auf den Weg über die östliche Ägäis Richtung Griechenland. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uygar Onder Simsek / Moku/dpa)

Dramatische Lage auf den Inseln Steigende Flüchtlingszahlen - Seehofer berät sich mit Athen

Immer mehr Menschen kommen über die östliche Ägäis nach Europa. Die Lage auf den griechischen Inseln dort ist jedoch bereits dramatisch. Nach einem Abstecher in der Türkei besucht Innenminister Seehofer nun Athen, um Lösungen zu finden.

Bei dem Treffen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit dem Bürgerschutz- sowie dem Migrationsminister Griechenlands soll es um die steigenden Flüchtlingsankünfte in der Ägäis und die schlechte Situation in den Flüchtlingslagern auf den Inseln gehen - zum Beispiel auf der Insel Lesbos.

Ende September erst waren zwei Menschen in dem überfüllten Lager Moria auf Lesbos bei einem Brand ums Leben gekommen.

Frankreichs Innenminister sagt ab

Auch EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos nimmt an den Gesprächen teil. Der französische Innenminister Christophe Castaner hat die Teilnahme kurzfristig wegen der tödlichen Attacke auf Polizisten in Paris abgesagt, wie das griechische Ministerium bestätigte.

Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Angelos Tzortzinis/dpa)
Das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos: Erst vor einigen Tagen sind hier zwei Menschen bei einem Brand ums Leben gekommen. picture alliance/Angelos Tzortzinis/dpa

Problem ist Griechenland

Der Migrationsforscher Gerald Knaus, der den EU-Türkei-Flüchtlingspakt mitentwickelt hat, warnte, das Abkommen könne an Griechenland scheitern. Die Behörden seien nicht in der Lage "schnell, fair und glaubwürdig" zu entscheiden, welche Flüchtlinge in der EU Anspruch auf Asyl hätten und wer in die Türkei zurückgeschickt werden müsse, sagte er im SWR-Interview.

Abschiebungen funktionieren nicht

"Wir haben in diesem Jahr 100 Leute aus Griechenland in die Türkei zurückgeschickt", sagte Knaus. Die Zahl stehe in keinem Verhältnis dazu, dass in einem Monat 10.000 neue Flüchtlinge die griechischen Inseln in der östlichen Ägäis erreichten. Zudem dauere es Jahre, bis eine Entscheidung über Asyl getroffen werde.

Der Migrationsforscher forderte einen schnellen Aufbau der notwendigen Strukturen auf den griechischen Inseln, um die Asylverfahren zu beschleunigen und einen fairen Ablauf zu gewährleisten: "Die EU-Außengrenze liegt in der Ägäis." Deshalb habe Deutschland ein elementares Interesse an einer Entscheidung. Denn das Ziel der meisten Flüchtlinge seien die Staaten in Nord-Europa - vor allem die Bundesrepublik.

Flüchtlingszahlen steigen stark

Zuvor hatte sich Seehofer in Ankara mit den zuständigen türkischen Ministern getroffen. Der Grund: Die Flüchtlingszahlen in der östlichen Ägäis sind in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Im laufenden Jahr setzten bisher fast 36.000 Menschen illegal von der Türkei zu den griechischen Inseln über - mehr als im gesamten vergangenen Jahr (rund 32.500). Die Auffanglager auf Lesbos, Samos und anderen östlichen Inseln sind heillos überfüllt, die Zustände unmenschlich, wie Hilfsorganisationen melden.

Griechenland braucht Hilfe für tausende Kinder

Griechenland hofft unter anderem auf deutsche Hilfe hinsichtlich der rund 4.000 unbegleiteten Kinder, die sich im Land aufhalten. Ein Bündnis aus Hilfsorganisationen wie Pro Asyl, Terre des Hommes, dem Deutschen Kinderhilfswerk und anderen hatte am Donnerstag bereits von der Bundesregierung gefordert, bei der Aufnahme von Flüchtlingskindern zu helfen. "Bevor es Winter wird, muss gehandelt werden", hieß es in dem Schreiben.

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