Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Kay Nietfeld/dpa)

Diskussion um Organspende-Regelung Gesundheitsminister Spahn: Jeder soll Organspender werden

Jeder Bundesbürger soll künftig als Organspender gelten, wenn er nicht vorher aktiv widerspricht.

Sollte jeder Organspenderin oder Organspender sein, der keinen Widerspruch einlegt – oder nur diejenigen, die einen entsprechenden Ausweis haben?

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach haben ihre Pläne zu dieser Frage in Berlin vorgestellt. Demnach soll künftig jeder Bundesbürger als Organspender gelten, der nicht aktiv Widerspruch dagegen einlegt.

Register soll vor unerlaubter Organentnahme schützen

Spahn stellte als Abgeordneter einen Gruppenantrag für eine doppelte Widerspruchslösung vor. Wer verhindern will, dass nach seinem Tod Organe entnommen werden, muss sich demnach in ein Register eintragen lassen. Der Eintrag in diesem Register könnte aber jederzeit geändert werden.

Uwe Lueb und Kilian Pfeffer aus dem Hauptstadtstudio Berlin fassen zusammen, was für und gegen die Widerspruchsregelung spricht.

10.000 Menschen warten auf Spenderorgane

Spahn sagte, man müsse abwägen zwischen einem möglichen Eingriff in die Freiheit des Einzelnen und der Lebensperspektivew von 10.000 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten.

Die momentane Lösung habe nicht dazu geführt, dass sich mehr Spender finden. Zurzeit ist eine Organentnahme nur bei ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Die vorgestellte Widerspruchslösung gelte schon in 20 EU-Staaten, so der CDU-Politiker.

Eine Gruppe um die Grünen-Chefin Annalena Baerbock und den CSU-Abgeordneten Stephan Pilsinger schlagen genau das Gegenteil vor. Sie halten nichts davon, jeden Bürger automatisch zum potentiellen Organspender zu machen. "Das muss jeder selbst entscheiden", lautet ihr Grundsatz.

Unterstützung von mehreren Parteien

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist für die Widerspruchslösung. Der Vorschlag sei "unbürokratisch, ethisch unproblematisch, effizient und sicher". Unterstützung bekommen Spahn und Lauterbach von CSU-Gesundheitspolitiker Georg Nüßlein und Petra Sitte (Die Linke).

Jedes Jahr warten 10.000 Menschen auf neue Organe - 2.000 von ihnen sterben aber an Organversagen, bevor sie ein Spenderorgan bekommen.

Der Gesetzentwurf soll in den Bundestag eingebracht werden. Bei der Abstimmung sollen die Abgeordneten dann ohne Fraktionszwang über eine Reform entscheiden.

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