Ein Piktogramm eines Elektroautos ist auf einem Parkplatz an der Europäischen Zentralbank an einer Ladestation auf dem Asphalt aufgemalt.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Arne Dedert/dpa)

E-Autos halten deutlich länger als gedacht Ökobilanz von Elektroautos

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Erste Langzeit-Erfahrungen zeigen: E-Autos sind teuer, aber sie rechnen sich über die Zeit. Und: Schon heute haben E-Autos die bessere Ökobilanz.

Dass immer noch so wenige E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sind, liegt sicher an verschiedenen Gründen: zum Beispiel an ihrem immer noch sehr hohen Preis oder der nach wie vor sehr lückenhaften Ladeinfrastruktur. Aber wohl auch an der Sorge vieler potentieller Käufer bezüglich der Ökobilanz, also der Frage, wie lange solche E-Autos überhaupt halten.

Je länger ein E-Auto fährt, desto besser die Ökobilanz

Fangen wir bei der Produktion an – da erzeugt natürlich auch ein Elektroauto Schadstoffe – und zwar mehr Feinstaub und CO2 als ein Verbrenner, aber weniger Stickoxid. Allerdings gleicht sich das dann während der Nutzungsphase wieder aus: Je mehr ein Elektroauto gefahren wird, umso besser.  Denn die Batterie hat den großen Vorteil, dass während des Fahrens kein CO2 produziert wird. Elektroautos haben keinen Auspuff, also kann da auch beispielsweise kein Stickoxid rauskommen.

Energiemix entscheidet über CO2-Bilanz

Allerdings ist diese Bilanz – vor allem die CO2-Bilanz – nur dann so richtig sauber, wenn der Strom mit dem das Auto geladen wurde, ausschließlich aus regenerativen Quellen stammt. Kommen da Gas und Kohle ins Spiel, dann wird natürlich durchaus CO2 in die Atmosphäre geblasen. Und so ist momentan die Realität. Allerdings: Auch schon beim aktuellen Strommix ist die CO2-Bilanz eines Elektroautos besser als die eines Autos mit Verbrennungsmotors. Und je mehr unser Strommix in Richtung Erneuerbare geht, umso besser wird sie.

Insgesamt, wenn man alles zusammen nimmt, haben Elektroautos über den gesamten Lebenszyklus einen geringeren Energieaufwand als solche mit Verbrennungsmotoren und damit auch einen geringeren CO2-Ausstoß.

itarbeiter arbeiten am Montageband für die Produktion des Elektroautos ID.3 im Volkswagen-Werk.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Jens Büttner/zb/dpa)
Mit VW drängt nun ein weiterer Hersteller auf den Markt für Elektro-Autos. picture alliance/Jens Büttner/zb/dpa

Herstellung von E-Autos verbraucht mehr Rohstoffe

Beim Rohstoffverbrauch sieht das aber anders – da schneiden die E-Autos schlechter ab. Hier werden bei der Herstellung mehr Rohstoffe verbraucht, auch seltene wie Lithium oder Kobalt. Allerdings hofft man, den Verbrauch etwa durch eine höhere Materialeffizienz oder auch mehr Recycling in den nächsten Jahren senken zu können.

Akkus halten länger als bislang angenommen

Und entgegen früheren Befürchtungen halten die Akkus in den Elektroautos relativ lange – die Hersteller versprechen in der Regel eine Lebensdauer von rund acht Jahren – erste Erfahrungen zeigen auch, dass das so stimmt. Dann nimmt die Speicherkapazität ab, die Akkus müssen getauscht werden, allerdings können sie dann noch als Speicher für Wind- oder Sonnenenergie genutzt werden. Damit verlängert sich ihre Lebensdauer noch einmal beträchtlich erst im Auto, dann stationär. Man rechnet mit 20 Jahren, die ein Akku Dienst tut.

Tesla beispielsweise verspricht in der Regel eine Lebendsdauer der Autos von rund acht Jahren oder 160.000 Kilometern. Das amerikanische Internetportal Quartz berichtete aber jüngst über die kleine Verleihfirma Tesloop aus Kalifornien, die ausschließlich Elektroautos der Marke Tesla im Angebot hat. Von denen haben einige inzwischen schon 500.000 Meilen auf dem Tacho. Das sind stattliche 800.000 Kilometer! Und sie laufen und laufen und laufen immer noch. "Die Autos sterben nie aus Altersgründen", sagte der Tesloop-Gründer Haydn Sonnad dem Internetportal Quartz: "Der Antriebsstrang hält praktisch ewig."

Die Tacho-Anzeige in einem Tesla Model S, Baujahr 2013 zeigt 1.000.000 Kilometer.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Marijan Murat/dpa)
Eine Million Kilometer hat dieses Elektroauto bereits auf dem Tacho. picture alliance/Marijan Murat/dpa

Solche ersten Praxiserfahrungen sind allerdings nicht unbedingt repräsentativ. Und die Sonne Süd-Kaliforniens ist den Akkus der E-Autos sicherlich auch zuträglicher als die wechselhaften und manchmal ziemlich winterlich-kalten Temperaturen bei uns in Deutschland.

Entscheidend: Recycling der Akkus

Nachdem die Akkus ausgemustert sind, ist das Ziel, ihn nicht einfach zu entsorgen, sondern zu recyceln und die Bestandteile wieder zu nutzen. Dabei geht es nicht nur um den Kunststoff des Gehäuses, sondern auch vor allem auch die seltenen Rohstoffe wie Lithium oder Kobalt. Die entsprechenden Anlagen dafür gibt es schon, allerdings rentieren die sich nur, wenn eine bestimmte Anzahl an Akkus auch recycelt wird. Momentan gibt es davon einfach noch nicht genug, aber das wird sich mit mehr Elektroautos ändern.

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Unterhaltskosten von E-Autos über die Jahre deutlich günstiger

Positiv für Verbraucher sind aber auch die geringeren Verbrauchswerte von E-Autos und deren günstigere Unterhalt: Je länger ein E-Auto läuft, je mehr Kilometer es gefahren wird, desto mehr amortisieren sich also die einst hohen Anschaffungkosten wirtschaftlich. Auch weil man viel weniger Geld für Wartung und Reparaturen ausgibt, als es bei Verbrennern der Fall wäre. Auch das tut der Ökobilanz der E-Autos gut.

Insgesamt, wenn man all dies zusammennimmt, haben Elektroautos über den gesamten Lebenszyklus jedenfalls einen geringeren Energieaufwand als solche mit Verbrennungsmotoren und damit auch einen geringeren CO2- Ausstoß – auch das ein Plus für die Ökobilanz!

Viel Bewegung auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur

Fast 24.000 öffentliche Ladepunkte für E-Autos gibt es in ganz Deutschland. So die aktuellen Zahlen des BDEW – des Bundesverbandes für Energie- und Wasserwirtschaft. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr von fast 50 Prozent. Der Ausbau der E-Ladesäulen nimmt also gerade ziemlich Fahrt auf.

Ein Elektroauto lädt an einer Ladestation.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Ian West/PA Wire/dpa)
Von gut 20.000 auf eine Million: Fast 24.000 öffentliche Ladepunkte für E-Autos gibt es derzeit in Deutschland. Eine Million sollen es bis 2030 sein. picture alliance/Ian West/PA Wire/dpa

Doch das Ziel ist ja auch ambitioniert: Denn eine Million öffentliche Ladepunkte sollen es einmal werden. In gut zehn Jahren bereits, bis 2030. So zumindest das Ziel der Bundesregierung in ihrem so genannten "Masterplan Ladeinfrastruktur". Demnach sollen bereits in den kommenden zwei Jahren weitere 50.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte errichtet werden. Die Automobilwirtschaft soll bis 2022 mindestens 15.000 zusätzliche öffentliche Ladepunkte beisteuern. Und auch die Energiewirtschaft ist – laut "Masterplan" mit weiteren, eigenen Ladesäulen noch mit im Boot.

Elektroautos für immer mehr Menschen interessant

Nimmt man all dies zusammen dürften Elektroautos also zumindest für Vielfahrer schon heute günstiger sein, als oft angenommen wird. Und sind, mit dem weiter vorangetriebenen Ausbau der Ladeinfrastruktur, schon bald auch für deutlich mehr Menschen eine sowohl wirtschaftlich wie auch ökologisch gut nutzbare Alternative zu den Verbrennern.

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