Prodemokratische Demonstranten versammeln sich vor dem Flughafen von Hongkong. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Kin Cheung/AP/dpa)

Demonstration trotz Verbots Demonstranten in Hongkong belagern internationalen Flughafen

Tausende Demonstranten haben sich am Flughafen von Hongkong versammelt und versucht, den Flugbetrieb zu stören. Ihr Ziel war es, internationale Aufmerksamkeit zu erzielen.

Die Aktivisten versammelten sich auf einem Parkplatz vor dem Gebäude und versuchen den Verkehr zu blockieren. Ein Großaufgebot von Sicherheitskräften verriegelte die Zugänge zum Flughafen. Nur Reisende mit Flugscheinen und Ausweisen wurden eingelassen.

Keine Züge zum Flughafen Hongkong

Drei Stunden belagerten die Demonstranten den Flughafen und behinderten den normalen Betrieb. Der Zugverkehr zum Flughafen wurde eingestellt, Reisende mussten teilweise mit ihrem Gepäck zum Terminal laufen. Im Flugverkehr gab es aber zunächst keine Einschränkungen.

Schon vor drei Wochen hatten Demonstranten den Flughafen belagert. Damals musste der Flugbetrieb für zwei Tage gestoppt werden.

Demonstranten versuchten Parlament zu stürmen

Am Samstag war es bei einer Demonstration gegen die Regierung in Hongkong zu schweren Ausschreitungen gekommen. Laut Medienberichten haben Demonstrierende versucht, das Parlament zu stürmen. Radikale Aktivisten sollen außerdem Steine und Brandsätze geworfen haben. Die Polizei reagierte mit Schlagstöcken und Pfefferspray:

🇭🇰 #HongKong-Krise: Äußerst verstörende Bilder aus einer U-Bahn-Station gestern Abend. Polizisten sprühen Pfefferspray in Waggons und prügeln auf Passagiere ein. Die Kritiker der Hongkonger Polizei sehen sich heute bestätigt. https://t.co/Zo1I1cETIB

Die Beamten setzten den Berichten nach auch Gummigeschosse, Tränengas und Wasserwerfer mit blau gefärbtem Wasser ein. Damit sollen die Protestierenden offenbar leichter identifiziert werden können.

Trotz Verbot tausende Menschen auf der Straße

Eigentlich gilt in Hongkong gerade ein Demonstrationsverbot. Die Demokratiebewegung hatte deshalb dazu aufgerufen, sich zum "Beten" zu treffen. So kam es, dass viele der tausend Demonstrierenden zu Beginn der Demonstrationen ein Kreuz bei sich trugen und "Halleluja" sangen. Diese religiöse Prozession war zunächst friedlich geblieben.

Hören Sie im Audio, warum Hongkong ein hitziges Wochenende bevorstehen könnte:

Später kam es zu Straßenblockaden, Demonstrierende besetzen wichtige Verkehrsadern in der Nähe des Regierungsviertels. Die Polizei sprach von einer "ungenehmigten Versammlung" und "illegalen Aktionen".

Militärpräsenz nicht nur "symbolisch"

Am Donnerstag waren in Hongkong stationierte chinesische Soldaten ausgetauscht worden. Die staatliche Zeitung "China Daily" schrieb in ihrer Freitagsausgabe, die Anwesenheit des Militärs sei nicht rein symbolisch zu verstehen. Die Soldaten hätten "keinen Anlass, untätig zuzuschauen".

Immer wieder Proteste in Hongkong

Seit fast drei Monaten kommt es in Hongkong immer wieder zu Protesten. Zuletzt hatten die Festnahmen mehrerer führender Mitglieder der Protestbewegung die Spannungen verschärft.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie in ihrem eigenen Territorium als chinesische Sonderverwaltungsregion nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Die Demonstranten fordern auch eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

REDAKTION
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