Ein neunjähriger Junge verdient sein Taschengeld durch Sammeln von Pfandflaschen. (Foto: picture-alliance / dpa, Walter G. Allgöwer)

Datenreport zur sozialen Lage Zahl armutsgefährdeter Kinder bleibt hoch

Trotz guter Wirtschaftslage stagniert der Anteil armutsgefährdeter Kinder in Deutschland auf hohem Niveau. Laut Statistik sind es gut 15 Prozent - fast jeder sechste Minderjährige.

"Es ist schlimm, wenn ein reiches und wohlhabendes Land wie Deutschland seine Kinder vergisst", sagte Wolfgang Büscher vom Kinder- und Jugendwerk "Die Arche" im SWR. Deshalb forderte er, dass die Rechte von Kindern im Grundgesetz verankert werden müssten. Nur durch diesen Schritt werde sich in der Politik etwas ändern. Kinder seien wichtig für Deutschlands Zukunft. Ihre Lage müsse dringend verbessert werden.

Soziale Lage vererbt sich über Generationen

Das Kinder- und Jugendwerk beobachtet nach eigener Darstellung, dass sich prekäre Lebensverhältnisse oft seit Generationen in den Familien verfestigt hätten. Die Eltern hätten sich ein Stück weit aufgegeben und darunter litten auch die Kinder. Ihre Bildungschancen seien aufgrund ihrer sozialen Herkunft deutlich schlechter. Das bestätigt der Datenreport zur sozialen Lage in Deutschland.

"Die Arche" fordert mehr Erzieher

Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien benötigten Unterstützung, um aus ihrem Umfeld herauszukommen, sagt Wolfgang Büscher. Ihnen fehlten grundlegende Erfahrungen des Alltags, wie zum Beispiel jeden morgen aufzustehen. Deshalb würden sie häufig schon zu Beginn einer Ausbildung oder einer Arbeitsstelle fehlen. Mutmacher seien gefordert. "Das sind mehr Lehrer und mehr Erzieher, die Zeit haben, sich um die Kinder zu kümmern."

Sollte die Politik an diesem Punkt nicht gegensteuern, gibt es nach Einschätzung des Arche-Sprechers für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien kein Entkommen aus dem Teufelskreis: "Wir erziehen uns, wenn wir ihnen nicht helfen, die Transferleistungsempfänger von morgen."

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