Darknet (Foto: dpa Bildfunk)

Neue Hinweise im Datenskandal Hat der 20-Jährige Passwörter aus dem Darknet?

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Der mutmaßliche Hacker, der die Daten von Politikern und Prominenten ins Internet gestellt hat, soll Teile des Materials im Darknet erworben haben. Wie wahrscheinlich ist das?

Nach dem großen Datenskandal durch einen Schüler hat die "Bild"-Zeitung berichtet, der Tatverdächtige habe Zugangsdaten unter anderem zu Konten der Betroffenen bei sozialen Medien im sogenannten Darknet gekauft.

Sebastian Fiedler, der Sprecher vom Bund Deutscher Kriminalbeamter, unterstützt diese These. Denn: "Sie können im Darknet ganze Datenpakete kaufen, Kreditkartendaten, persönliche Daten, Identitäten. Man könnte sagen, alle menschlichen Abgründe werden im Darknet gehandelt."

Datensätze im Darknet auch "für Taschengeld" zu haben

Der 20-jährige Tatverdächtige in dem Datenskandal-Fall könnte sich nach Einschätzung Fiedlers zum Beispiel Zugangspasswörter von den Politikern oder Journalisten gekauft haben.

So ein Datensatz im Darknet koste maximal zwischen 20 und 50 Euro: "Es ist also durchaus so, dass das Taschengeld eines 20-Jährigen dafür ausreicht“, so Fiedler. Wenn er im Darknet etwas gekauft haben sollte, werde man ihm das nachweisen können, sagt der Experte.

Der Chef des Bundeskriminalamtes hat inzwischen einem Bericht widersprochen, wonach der mutmaßliche Datendieb seine Informationen aus dem Darknet bezogen haben soll. Diese Information stamme jedenfalls nicht aus Ermittlerkreisen seiner Behörde.

Dauer

Politikern müsste das Problem bekannt sein

Fiedler versteht die Aufregung "auf der politischen Ebene" nicht. Es dürfte keinen der Fachpolitiker überraschen, dass es diese Probleme mit kriminellen Märkten gebe. "Ich muss an dieser Stelle verwundert feststellen, dass die Politiker, die sich am meisten echauffieren, die sind, die die Sicherheitsbehörden bislang bei den Ermittlungen nicht besonders unterstützt haben."

ARD-Informationen: auch Privatadressen ausgespäht

Nach ARD-Informationen ist der Schüler, der gestanden hat, Daten von Prominienten und Politikern veröffentlicht zu haben, wesentlich weiter gegangen als bisher bekannt. Das Magazin "Kontraste" berichtet, er sei auch zu den Privatadressen einiger seiner Opfer gefahren, um dort Häuser, Klingelschilder und Briefkästen zu fotografieren. Der entscheidende Hinweis, der zur Ergreifung des 20-Jährigen aus Hessen führte, kam von einem Bekannten aus Heilbronn. Der Polizei war er bereits seit mehr als zwei Jahren bekannt.

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