Dieter Zetsche (l), scheidender Vorstandsvorsitzender der Daimler AG, und sein Nachfolger Ola Källenius stehen zu Beginn der Daimler Hauptversammlung gemeinsam auf dem Podium für die Fotografen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Kay Nietfeld/dpa)

Daimler-Hauptversammlung Startschuss für die Ära Källenius

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Der neue Daimler-Chef Ola Källenius startet direkt mit einem Sparkurs. Für den bisherigen Boss Dieter Zetsche war die Hauptversammlung das letzte Aktionärstreffen – vorerst.

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Nach über 13 Jahren an der Spitze ist die Ära Zetsche bei Daimler zu Ende. Der Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Bischoff würdigte Dieter Zetsche als einen Ausnahmemanager. Er habe Daimler durch schwieriges Terrain zurück an die Spitze geführt, so Bischoff.

Mit anhaltendem Applaus haben die Aktionärinnen und Aktionäre dem scheidenden Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Hauptversammlung in Berlin ihren Respekt erwiesen. Nach dem Aktionärstreffen übernimmt der Schwede Ola Källenius den Chefposten. Zetsche hingegen soll nach zwei Jahren Abkühlphase 2021 den Vorsitz des Daimler-Aufsichtsrats von Manfred Bischoff übernehmen.

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Keine durchweg positive Bilanz

Zetsche selbst zog in seiner Rede eine gemischte Bilanz seiner Zeit als Daimler-Chef. Auf der Hauptversammlung 2006 habe er den Anspruch formuliert, das Unternehmen wieder ganz nach vorne zu bringen, so Zetsche. Diesen Anspruch habe Daimler in vielen Bereichen erfüllt. Insgesamt sei das Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich nach vorne gekommen.

Er räumte jedoch ein, 2018 sei für Daimler ein Jahr mit starkem Gegenwind gewesen – unter anderem wegen der Diskussion um den Diesel und dem globalen Handelsstreit ist der Gewinn zurückgegangen. Auch der Start 2019 ist verhalten ausgefallen. Insbesondere mit dem Gewinn sei man nicht zufrieden, erklärte Zetsche. Insgesamt hat Daimler unter Zetsche aber so viele Fahrzeuge verkauft wie nie zuvor und ist zur weltweiten Nummer eins bei den Premiumherstellern aufgestiegen.

Aktionärsschützer kritisieren Umgang im Diesel-Skandal

Der Geschäftsführer des Dachverbands Kritische Aktionäre, Markus Dufner, der auch Daimler-Anteilseigner vertritt, stellt dem ehemaligen Konzernchef Zetsche hingegen eine schlechte Note aus:

"Ich würde ihm eine Fünf erteilen."

Markus Dufner, Dachverband Kritische Aktionäre

"Für sein Auftreten in den letzten Jahren – insbesondere im Diesel-Abgas-Skandal – hat er sich keine bessere Note verdient", sagte Dufner in SWR Aktuell. Es habe kaum Aufklärungswillen gegeben und das auf Kosten der Kunden. Es gebe zu viele SUV-Modelle mit zu hohem CO2-Ausstoß. Darüber hinaus müsse der Konzern 700.000 Fahrzeuge zurückrufen, welche teils noch 2018 verkauft worden seien.

Daimler plant milliardenschweres Sparprogramm

Der aktuelle Gewinnrückgang hat auch strategische Konsequenzen für Daimler. Verantwortlich für den Einbruch sind vor allem die Dieselkrise, die weltweiten Handelsauseinandersetzungen und die Kosten für neue Technologien wie die E-Mobilität.

Der Konzern plant deshalb ein milliardenschweres Sparprogramm. Medienberichten zufolge soll insbesondere in der Verwaltung gespart werden, dabei ist von bis zu 20 Prozent die Rede. Für die Daimler-Beschäftigten gibt es zwar eine Jobgarantie bis 2029, langfristig aber könnten Arbeitsplätze wegfallen.

Das Sparprogramm umsetzen muss der Neue, Ola Källenius. Im Herbst letzten Jahres hatte der Daimler-Aufsichtsrat ihn offiziell als Nachfolger von Zetsche benannt.

 Ola Källenius, Vorstandsmitglied der Daimler AG, spricht bei der der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 2017 während einer Pressekonferenz. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Uwe Anspach/dpa)
Der bisherige Entwicklungschef Ola Källenius wird der neue Daimler-Chef. picture alliance/Uwe Anspach/dpa

Neue Konzernstruktur soll Daimler beweglicher machen

Källenius übernimmt einen Konzern, der von Grund auf umgebaut wird: Die Daimler AG wird in eine Holding mit drei selbstständigen Töchtern für Pkw, Nutzfahrzeuge und Dienstleistungen aufgespalten: die Mercedes-Benz AG, die Daimler Truck AG und die Daimler Mobility AG. Zetsche sprach vom größten Umbau in der mehr als 130-jährigen Firmengeschichte. Es dürfte auch der teuerste sein, schließlich werden rund 800 Gesellschaften mit 130.000 Mitarbeitern bis zum 1. November umsortiert.

Die einmaligen Kosten bezifferte Zetsche auf bis zu 700 Millionen Euro, hinzu kommen jährliche Kostensteigerungen ab 2020 von bis zu 170 Millionen Euro. Näher am Kunden, mehr Wachstum, mehr Partnerschaften mit anderen Unternehmen, das verspricht sich der Dax-Konzern davon. Trotzdem rechnet Daimler für 2019 damit, dass Absatz, Umsatz und Gewinn leicht steigen werden.

Mit Material von Reuters.

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