Landwirte protestieren mit ihren Traktoren gegen politische Vorgaben.  (Foto: Imago, imago images / Olaf Selchow)

Bundesweite Proteste Proteste gegen Agrarpolitik: Bauern machen ihrem Ärger Luft

Der Leidensdruck und der Ärger der Bauern ist groß. Deshalb haben sie Proteste gegen die europäische und deutsche Agrarpolitik über soziale Netzwerke organisiert - auch im Südwesten.

Hinter dem Protest steckt kein Verband, sondern die Basis. Über soziale Netzwerke haben sich die Bauern organisiert. Die Demonstrationen sind keine Aktion des Bauernverbands, sondern vieler - vor allem junger - Landwirte. Sie sehen ihre Zukunft gefährdet und sich selbst vom Rest der Gesellschaft diskriminiert und an den Pranger gestellt.

Bauern fühlen sich als "Sündenbock"

Der Protest richtet sich vor allem gegen eine von den Bauer empfundene Überregulierung durch die Politik. Dabei geht es um schärfere Regeln für Düngung und Pflanzenschutz. Gleichzeitig machen die Landwirte ihrem Frust Luft, dass die Gesellschaft sie zum "Sündenbock" für viele Umwelt-Probleme mache. Dieser Frust komme daher, dass die Gesamtgesellschaft keine Verantwortung übernehme, sagt SWR-Umweltredakteur Werner Eckert.

Eine Lösung sei schwierig: "Wenn man den Bauern jetzt sehr hohe Auflagen macht, (...) dann riskiert man, dass sie diesen Prozess nicht überleben. Gleichzeitig würden wir dann Produkte aus dem Ausland kaufen, die zum Beispiel in Spanien mit Sozial-Dumping und ebenfalls erheblichen Öko-Kosten erzeugt werden", so Eckert.

Ackerbau-Betriebe haben Angst um Existenz

Die Proteste seien so heftig, weil die Bauern sich in ihrer Existenz bedroht fühlten. Schon in den letzten zehn Jahren hätten rund die Hälfte der Milchbetriebe aufgeben müssen. Doch auch die Ackerbau-Betriebe bangen jetzt, weil sie durch neue Regeln zum Insektenschutz weniger Pestizide einsetzen dürfen, erklärt Eckert. "Sehr viele Betriebe fühlen sich jetzt eben auch im Ackerbau-Bereich bedroht, weil diese Insektenschutz-Problematik natürlich bedeutet weniger Pestizid-Einsatz und aus Sicht der Nitrat-Problematik weniger Dünger-Einsatz."

Hunderte Bauern und Traktoren protestieren im Südwesten

Zur zentralen Kundgebung in Bonn - dem Sitz des Bundeslandwirtschaftsministeriums - kamen rund 4.000 Bauern. Aus Rheinland-Pfalz hatten sich etwa 400 Landwirte mit ihren Traktoren auf den Weg nach Bonn gemacht.

Mehrere Hundert Demonstranten zogen nach Straßburg vor das Europaparlament. Die Bauern waren mit ihren Traktoren in Kehl gestartet. In Stuttgart fand eine Sternfahrt Richtung Landwirtschaftsministerium statt. Die etwa 500 Teilnehmer mit fast ebenso vielen Traktoren sorgten für Verkehrsbehinderungen in der Landeshauptstadt. In Freiburg auf dem Münsterplatz sind 50 Fahrzeuge und dreimal so viele Teilnehmer gemeldet.

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