Trisomie-Erkennung beim ungeborenen Kind: Eine MTA überprüft die Blutprobe einer schwangeren Frau (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Bundestag debattiert über Bluttests vor der Geburt Trisomie-Erkennung im Mutterleib – Mehrheit für Test als Kassenleistung

Der Bundestag hat über den Umgang mit vorgeburtlichen Bluttests beraten. Es geht um ein Verfahren, mit dem Embryos im Mutterleib auf Trisomie 21 — Down-Syndrom — getestet werden können.

Eine Mehrheit der Abgeordneten sprach sich dafür aus, dass die Kassen den Test künftig bezahlen. Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke sagte, die Tests seien zugelassen. Kein Gesetz könne sie wieder vom Markt nehmen.

Furcht vor mehr Abtreibungen

Es sei weder medizinisch noch ethisch zu erklären, dass der risikoarme Bluttest nicht von den Kassen übernommen wird, die deutlich risikoreichere Fruchtwasseruntersuchung in vielen Fällen aber schon, so die CDU-Politikerin Schmidtke.

Die Grünen-Abgeordnete Corina Rüffer argumentierte dagegen, der Test als Kassenleistung könne zu Selektion führen. Sie befürchtet, dass sich mehr Frauen für Abtreibungen entscheiden.

Die Debatte darüber, ob tatsächlich alles gemacht werden soll, was medizinisch möglich ist, steht gerade erst an ihrem Anfang, so SWR-Redakteur Christopher Jähnert aus dem Hauptstadtstudio Berlin in seinem Kommentar:

Dauer

Evangelische Kirche für Trisomie-Tests als Kassenleistung

Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, der Test solle von den Kassen bezahlt werden, wenn Schwangere das Angebot einer psychosozialen Beratung bekämen.

Lebenshilfe-Chefin Ulla Schmidt verwies in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland auf das Risiko der bisher üblichen Fruchtwasseruntersuchung, die zu Fehlgeburten führen kann. "Stehen risikoärmere Untersuchungen zur Verfügung, müssen sie von der Krankenkasse bezahlt werden. Alles andere wäre unethisch."

Katholische Kirche ist dagegen

Die katholische Kirche ist ganz dagegen, die Bluttests als Kassenleistung anzubieten. Sie fürchtet, dass Schwangerschaftsbrüche dann zunehmen und warnt: "Wir appellieren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, keine Beschlüsse zu fassen, die im Resultat dazu geeignet sind, die Zahl der Abtreibungen zu erhöhen", zitieren die "Stuttgarter Nachrichten" den Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten.

REDAKTION
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