Nierentransplantation im Kölner Universiätsklinikum. (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

Bundestag stimmt über Organspendegesetz ab Reform Organspendegesetz: Mehr Zeit und mehr Geld für Ärzte

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Mehr als 10.000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekam für seine Vorschläge zur Reform des Transplantationsgesetzes viel Unterstützung. Doch ein Streitpunkt bleibt außen vor.

Lob von allen Seiten gab es bisher für die Vorlage zur Reform des Transplantationsgesetzes von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Daher ist heute im Bundestag eine breite Mehrheit für die Reform zu erwarten.

Ein Kernpunkt ist die Stärkung der Transplantationsbeauftragten. Das sind Ärzte, die in Kliniken als Schnittstelle zwischen Patienten, Angehörigen, behandelnden Ärzten und der deutschen Stiftung Organtransplantation fungieren. Sie versuchen herauszufinden, ob ein sterbender Patient nach dem Tod als Organspender in Frage kommt.

Mehr Zeit für Transplantationsbeauftragte

Der jetzige Gesetzentwurf sieht vor, dass Krankenhäuser den Transplantationsbeauftragten von seinen sonstigen Aufgaben freistellen müssen. Je nach Größe der Klinik für einige Stunden oder sogar komplett.

Bayern gilt in dieser Hinsicht als Vorbild. Im Freistaat ist per Gesetz geregelt, dass für jede Intensivstation ein Transplantationsbeauftragter freigestellt wird, wenn das Krankenhaus Organe entnimmt. Die Kosten für die Freistellung bekommen die Kliniken ersetzt. Genau das plant Spahn jetzt für ganz Deutschland.

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Mehr Geld bekommen die Kliniken auch dafür, dass sie Kapazitäten für die Organspende bereitstellen: Ärzte, Pfleger, Operationssäle, Intensivbetten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagt, bisher würden Kliniken finanziell eher bestraft, wenn sie sich um Organspenden kümmern.

Im SWR nahm er die Pläne gegenüber Kritik in Schutz: "Mit jeder Transplantation sparen die Krankenkassen Geld. Wenn ich eine Dialyse beende, weil eine Nierentransplantation stattgefunden hat, helfe ich nicht nur dem Patienten, sondern ich senke auf die Kosten."

Neurologische Rufbereitschaft

Auch künftig bekommen die Krankenhäuser eine Pauschale für die Organentnahme. Sie soll sich allerdings künftig am tatsächlichen Aufwand orientieren.

Teil des Gesetzes ist außerdem "eine neurologische Rufbereitschaft". Organspender kann nur ein Patient sein, bei dem der Hirntod festgestellt wurde. Er wird dann durch intensivmedizinische Maßnahmen am Leben gehalten, damit die Organe weiter durchblutet werden. Nicht immer steht derzeit ein dafür geschulter Facharzt bereit. Ein Rufbereitschaftsdienst soll Abhilfe schaffen.

Mehr Spender oder nicht?

Die meisten Gesundheitspolitiker gehen davon aus, dass es dadurch mehr Spender geben wird. Der Linken-Politiker Harald Weinberg aus Mittelfranken spricht sogar von dem entscheidenden "Flaschenhals". Das allerdings sieht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nicht ganz so: "Was nutzt die bessere Organisation der Organspende, wenn Sie die Organe nicht haben?", sagte er im SWR. Lauterbach ist einer der prominentesten Verfechter der Widerspruchslösung, die bedeuten würde, dass künftig grundsätzlich jeder Organspender ist, es sei denn, er widerspricht. Darüber wird heute aber nicht entschieden.

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Thema ist es aber natürlich trotzdem. Und so wird es heute im Bundestag auch Streit geben. Obwohl sich über das Transplantationsgesetz für bessere Strukturen bei der Organspende, alle weitgehend einig sind.

So arbeitet ein Transplantationsbeauftragter:

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen RP
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