Der Tory-Politiker Boris Johnson ist Favorit für die May-Nachfolge in Großbritannien. Im Bild kratzt er sich mit einem Kugelschreiber in der rechten Hand am Kopf (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/empics/Foto: Stefan Rousseau)

Wer folgt auf Theresa May? Boris Johnson gewinnt erste Wahlrunde

Der ehemalige Außenminister Boris Johnson hat die erste Hürde genommen, um neuer Chef der konservativen Tory-Partei zu werden. Er gewann klar die erste Runde.

Im ersten Wahlgang stimmten 114 der 313 Tory-Abgeordneten im britischen Unterhaus für Johnson. Drei Bewerber für den Parteivorsitz schieden bei der Abstimmung aus, damit sind jetzt noch sieben Kandidaten im Rennen.

Brexit-Expertin: Johnson hat große Chancen auf den Gesamtsieg

Die Londoner Journalistin Tessa Szyszkowitz geht davon aus, "dass ein Großteil der Parlamentsfraktion ihn zum Parteichef küren wird und damit auch zum Premierminister." Im SWR sagte sie, Johnson zeichne sich nicht nur durch Arroganz und Tölpelei aus: "Johnson ist auch ein gebildeter und charismatischer Mann und Politiker, der es allerdings mit der Wahrheit nicht so genau nimmt." Das komme jedoch gerade bei der Partei-Basis sehr gut an.

Das Gespräch mit Tessa Szyszkowitz hören Sie im Audio.

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Die Menschen sind frustriert, da könnte Johnson der Richtige sein

In Europa würden sich alle fragen, wie man einen Mann, wie Johnson, in einer derart kritischen Situation der politischen Geschichte Großbritanniens zum Premierminister machen könne. "Aber hier sind die Leute so frustriert darüber, dass ihnen der Brexit nicht gelingt, dass sie jetzt gerade dabei sind, das ganze zur Explosion zu bringen – und da könnte Boris Johnson der richtige Mann sein."

"Boris Johnson ist eigentlich ein sozial-liberaler Konservativer"

Johnson hat nach Ansicht von Tessa Szyszkowitz in seinem Auftreten durchaus das Potential von einem Donald Trump. "Er ist aber inhaltlich eigentlich ein sozial-liberaler Konservativer, der auch beim Brexit nicht wirklich zu denjenigen gehört, die ernsthaft eine harte Linie fahren wollen."

Sie habe das Gefühl, dass Johnson den harten Kurs lediglich vertrete, um Parteichef zu werden, sagt Szyszkowitz. Wenn es aber darum gehe, tatsächlich das Land aus der EU zu führen, "dann könnte er unter Umständen dazu bereit sein, alles zu verraten, was er versprochen hat, um doch ein Abkommen mit der EU zu erreichen."

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