Vorläufige Bilanz 2018 des Umweltbundesamts Stickoxidbelastung bleibt hoch - besonders in Stuttgart

In mindestens 35 deutschen Städten ist 2018 der EU-weit geltende Stickoxid-Grenzwert überschritten worden. Die höchste Belastung hatte Stuttgart. Bundesverkehrsminister Scheuer kritisierte die dortigen Standorte der Messstationen.

An einer Messstation werden vor dem Hauptbahnhof Stuttgart Luftwerte gemessen. (Foto: dpa Bildfunk, Fabian Albrecht)
Messstation vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof (Archivbild) Fabian Albrecht

Nach einer vorläufigen Bilanz des Umweltbundesamts (UBA) sind 2018 in mindestens 35 Städten die EU-weit geltenden Stickoxid-Grenzwerte überschritten worden. Darunter sind unter anderem Stuttgart, Freiburg, Mannheim, Mainz und Koblenz. Das UBA hat eine entsprechende Liste auf seiner Webseite veröffentlicht.

Darauf sind vorerst 28 Städte aufgezählt, die 2018 über dem Grenzwert liegen. Mindestens weitere sieben Städte werden nach Auskunft des Umweltbundesamtes sicher dazu kommen, wenn alle Daten ausgewertet sind.

Scheuer kritisiert Stuttgarter Mess-Standorte

Die höchste Belastung mit 71 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft gibt es demnach in Stuttgart. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kritisierte die Standorte der Stickoxid-Messstationen in Stuttgart. Er sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner": "Wenn man sich selber kasteien will, dann muss man es so machen wie in Stuttgart."

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) widersprach am Freitag. "Alles ist rechtskonform und wurde mehrfach überprüft. Der Bundesminister sollte sich besser informieren, bevor er polemisch einen Feldzug gegen Messstationen führt", sagte er laut Deutscher Presse-Agentur. Hermann machte erneut darauf aufmerksam, dass die Stuttgarter Messstellen 2004 in der Verantwortung der damaligen schwarz-gelben Landesregierung mit Regierungschef Erwin Teufel (CDU) aufgestellt wurden.

Hermann: "Stationen sind korrekt aufgestellt"

Am Neckartor stehe die Messstation korrekt im vorgeschriebenen Abstand von der Straße und der nächsten Kreuzung. "Sie steht dort, wo in unmittelbarer Nähe auch Menschen wohnen. Zusätzlich wird entlang der Straße auf einer Strecke von über hundert Metern mit sogenannten Passivsammlern gemessen, um ein genaueres Bild von der Schadstoffbelastung zu haben. Die Parteien, die heute Zweifel daran haben, haben das selbst zu verantworten."

Auch SWR Aktuell Baden-Württemberg hatte die Woche mal nachgemessen:

Dauer

München will keine Dieselfahrverbote

Nach Stuttgart folgt München mit dem zweithöchsten Wert in der Messung des Umweltbundesamtes. In der bayerischen Hauptstadt habe sich die Luft aber gebessert. Das zeigten eigene Messstationen, so der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Er hält Dieselfahrverbote wie in Stuttgart deshalb für unnötig.

Das Umweltbundesamt hat nach eigenen Angaben noch nicht alle Städte ausgewertet. Die geltende EU-Regelung besagt, dass der Jahresmittelwert für Stickoxid (NOx) 40 Mikrogramm pro Kubikmeter in der Außenluft nicht überschreiten darf.


Weitere Details zu dem Bericht des Bundesumweltamtes hören Sie im Audio.

Belastung leicht rückgängig

Die Luftbelastung durch Dieselabgase hat 2018 insgesamt leicht abgenommen, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Dafür seien mehrere Faktoren verantwortlich: Tempolimits, modernere Fahrzeuge und das Wetter.

Über die geltenden Grenzwerte für Feinstaub wird derzeit in der Bundesregierung gestritten. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hält die Werte für angemessen, Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plädiert für eine Überprüfung. Er hat wie angekündigt der EU-Kommission einen entsprechenden Brief geschrieben. Mehrere Lungenärzte haben den Grenzwert von 40 Mikrogramm zuletzt in Frage gestellt.

REDAKTION
STAND