Rollstuhl steht unter einer Treppe. (Foto: picture-alliance / dpa)

Jürgen Dusel, neuer Behindertenbeauftragter des Bundes "Behinderte Menschen werden oft behindert"

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Heute wird Jürgen Dusel, neuer Behindertenbeauftragter der Bundesregierung ins Amt eingeführt. Bei seinem neuen Job hat er vor allem einen Bereich im Visier.

Jürgen Dusel, bisher Behindertenbeauftragter des Landes Brandenburg, will sich künftig primär ums Thema Wohnen kümmern: "Wir haben viel zu wenig barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum", klagt Dusel im SWR-Interview.

Viele – gerade auf dem Land – hätten große Schwierigkeiten, an solche Wohnungen heranzukommen. Das führe oftmals dazu, dass sie in Einrichtungen leben müssten.

"Sozialer Wohnungsbau sollte grundsätzlich barrierefrei sein"

"Jeder", stellt Dusel klar, "sollte das Recht haben, selbst zu bestimmen, wo er lebt." Das gelte für Menschen mit und ohne Behinderung. Diese Forderung gehe an alle, die den sozialen Wohnungsbau zu verantworten hätten.

Nach Dusels Vorstellung soll sozialer Wohnungsbau grundsätzlich und standardmäßig barrierefrei sein. Zurzeit seien gelte das meist für höchstens zehn Prozent der Sozialwohnungen.

Das, glaubt Dusel, sei nicht unbedingt eine Kosten – sondern eine Einstellungsfrage. Oft werde es einfach vergessen. Da müsse man auch die Haltung verändern.

Gemeinsames Lernen ist "ein großer Vorteil" für beide

Ziemlich weit oben steht für den Juristen auch die Inklusion in Schulen. Er gibt aber zu bedenken: "Man muss wissen, dass die Menschen mit Behinderungen sehr unterschiedlich sind. Es gibt nicht den Menschen mit Behinderung."

Es sei aber niemals erklärbar, dass ein Kind, dass im Rollstuhl sitze, nicht in die neu gebaute Schule am Ort gehen könne, weil die nicht barrierefrei sei. "Ich bin tief davon überzeugt – weil ich das auch selbst erlebt habe - dass es ein großer Vorteil ist, wenn Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam groß werden und gemeinsam lernen."

"Die Barrieren müssen fallen"

Das sei auch für die Kinder ohne Behinderung wichtig, betont Dusel: Solche Menschen gäben später als Chefs auch Menschen mit Behinderungen eher eine Chance. "Deshalb strahlt diese Bildung auch weit in das gesellschaftliche Leben hinein."

"Behinderte Menschen werden oft behindert", fasst Dusel zusammen. "Durch die physische Umwelt, aber auch durch die Einstellungen in den Köpfen. Wenn ich zaubern könnte, würde ich dafür sorgen, dass diese Barrieren fallen."

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