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Baustellen-Jubiläum. Ein Kommentar "Stuttgart 21" behindert Shoppen und Cabriofahren

Martin Rupps bleibt fasziniert vom Bauprojekt "Stuttgart 21". Dass viele Stuttgarter genervt sind, liege am Baulärm, vor allem aber fühlten sie sich in ihrem beschaulichen Wohlstandsleben gestört.

Fünf Jahre wird jetzt am Tiefbahnhof "Stuttgart 21" gebaut. Ich bin jedes Mal neu fasziniert, wenn ich mit dem Zug in Stuttgart oberhalb der riesigen Baustelle ankomme. In meiner Heimatstadt wächst ein Bauwerk von kühner architektonischer Schönheit, das die City größer machen wird. Nur wenige Städte in Europa haben heute noch das Glück, in ihrem Kern zu wachsen statt mit immer neuen Speckgürteln.

Fünf Jahre nach Beginn der Bauarbeiten widerspricht es der allgemeinen Stimmung, "Stuttgart 21" als ein Jahrhundertbauwerk zu würdigen, das eine mittlere Großstadt verkehrstechnisch aus ihrer Enge im Kessel befreit. Viele Stuttgarter sind genervt vom Baulärm und den vielen Umleitungen. Das monumentale Bauprojekt stört ihr beschauliches Wohlstandsleben. Wer keine existentielle Probleme hat, erfindet sich welche.

"Stuttgart 21" entsteht in einer der reichsten Regionen Europas, doch seine Gegner führen sich auf, als werde hier ein zweiter Assuan-Staudamm gebaut mit verheerenden Folgen für Natur und Mensch. Nur mit dem Tunnelblick im Stuttgarter Kessel ist erklärlich, mit welcher Vehemenz das mutige und wichtige Projekt bekämpft wurde und noch immer wird.

Angehörige anderer Nationen belächeln die "German Angst", die auch eine Angst vor der Moderne – hier einem modernen Bahnhof – ist.

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