Stimmzettel zur Europawahl (Foto: dpa Bildfunk, Jörg Carstensen)

Bandwurmsätze, Fachwörter und Amtsdeutsch Studie: Europawahlprogramme sind oft unverständlich

Von der "Luftschadstoffqualitätsbestimmung" bis zum "Think-Small-First-Prinzip": Die Wahlprogramme der Parteien zur Europawahl sind für viele unverständlich. Das komplizierteste Programm hat die FDP.

Die Wahlprogramme der deutschen Parteien zur Europawahl enthalten vielfach Bandwurmsätze, Verwaltungsdeutsch und Wortungetüme. "Alle Parteien könnten verständlicher formulieren", sagte der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider in Stuttgart.

Brettschneider und sein Team von der Universität Hohenheim kommen nach einer Analyse zu dem Schluss, dass die Programme für viele Laien unverständlich seien.

Forscher sortieren Parteien nach Verständlichkeit

Die Programme enthalten den Angaben zufolge viele Fachwörter, etwa "Seigniorage-Programme" (AfD) oder "Flexicurity" (Die Linke). Die Wissenschaftler fanden auch Begriffe wie "Think-Small-First-Prinzip" (FDP), "Folgenbeseitigungsverfügungen" (SPD) oder "Notice-and-take-down-Verfahren" (Grüne).

Mit einer Analyse-Software fahndeten die Wissenschaftler nach überlangen Sätzen und Wörtern, Fachbegriffen und Fremdwörtern. Darauf aufbauend bewerteten sie die Programme auf einem Index von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich).

Im Schnitt erreichten die Programme einen Verständlichkeitswert von 8,1 Punkten - weniger als bei der Europawahl 2014 (8,5 Punkte) und der Bundestagswahl 2017 (9,1 Punkte).

Brettschneider: Wenig verständlicher als eine Doktorarbeit

Am besten schneidet den Angaben zufolge das Europawahl-Programm der Union mit 10,3 Punkten ab, gefolgt von der Linkspartei (9,5 Punkte). Auf dem dritten Platz liegt die SPD mit 8,2 Punkten. Die Grünen erreichen 7,7, die AfD 6,6 Punkte. Schlusslicht ist die FDP (6,2 Punkte).

"Damit ist das Programm der FDP nur wenig verständlicher als eine politikwissenschaftliche Doktorarbeit", erklärte Brettschneider. Insgesamt seien den Parteien jedoch vor allem vor allem die Einleitungen und Schlussteile verständlich gelungen.

REDAKTION
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