Abschlussbefahrung in Gorleben: Im Erkundungsbergwerk Gorleben stehen Arbeitsmaschinen hinter einer Absperrung.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Schwierige Suche bis 2031 Atommüll-Endlager: Letzte Erkundungsfahrt in Gorleben

Seit Jahrzehnten wird um die Eignung des Salzstocks Gorleben als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll gestritten. Heute könnte mit einer symbolischen Abschlussbefahrung eine neue Ära beginnen.

Mit der letzten Fahrt und einem Mauerabriss endet die Geschichte Gorlebens als Erkundungslager. Von nun an wird der Standort nur noch offengehalten, bis die Suche nach einem geeigneten Endlager abgeschlossen ist. Das soll bis 2031 passieren.

Warum die Fahrt mehr ist als ein Symbol, erklärt Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit, im Audio:

Atomkraft war die Technologie der Zukunft

Dabei war sich die Bundesregieung 1977 noch sicher, dass in der Atomkraft die Zukunft liegt. Die SPD-Regierung unter Helmut Schmidt suchte ein Endlager für den strahlenden Müll. Ernst Albrecht, damals CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen, bot Gorleben an. Der Salzstock lag in einer dünn besiedelten Gegend der Bundesrepublik, ein Stück ragte in die damalige DDR hinein. Doch die Entscheidung provozierte Widerstand.

Die Anti-Atom-Bewegung hatte sich gerade im baden-württembergischen Whyl - im Kampf gegen das Kernkraftwerk am Kaiserstuhl - formiert. Und die Bevölkerung vor Ort im Wendland zog sofort mit. Schon zwei Tage nach der Benennung Gorlebens als Endlager begannen die Proteste.

Neue Parteien entstehen aus Protest

Die Grüne Liste Umweltschutz, Vorläufer der Grünen, erzielte bei der Landtagswahl 1978 aus dem Stand 3,9 Prozent und zog als viertstärkste Partei in den Landtag ein. Beim Gorleben-Treck vom Wendland nach Hannover demonstrierten am 31. März 1979 etwa 100.000 Menschen gegen Atomkraft.

Die Politiker machten einen Teilrückzieher. Aus dem Endlager wurde eine "Endlagererkundung". Im Mai 1980 besetzten Demonstranten das Gelände in Gorleben und riefen die Freie Republik Wendland aus. 33 Tage lebten sie dort, dann kam die Polizei. Die musste in der Folge immer wieder anrücken.

Im Wendland tobte der Kampf gegen die Staatsgeswalt

Seit dem ersten Atommülltransport in das Zwischenlager Gorleben 1984 wurde jeder einzelne Castor-Transport zum Machtkampf zwischen Demonstranten und Staatsgewalt.

Die Grünen, seit 1998 an der Regierung beteiligt, setzten im Jahr 2000 eine zehnjährige Aussetzung der Erkundung durch. Seit 2010 wurde Gorleben jedoch weiter erkundet.

Bis zum GAU im Atomkraftwerk in Fukushima. Danach wendet sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) von der Atomkraft ab. Mit dem Atomausstiegsbeschluss soll die Endlagersuche auf eine wissenschaftlich fundierte und demokratisch gesicherte Basis gestellt werden. Der Bund muss ergebnisoffen und transparent nach einem Endlager suchen und bis 2031 einen geeigneten Standort bestimmen. Das könnte auch Gorleben sein.

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