Servicekraft im Restaurant (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Tobias Hase)

Arbeitsmarkt in Deutschland: Immer weniger Tarifbindung "Mittlerweile hat man erkannt, dass man gegensteuern muss"

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Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sieht den Trend zu einer deutlich geringeren Tarifbindung kritisch. Es gebe aber noch Hoffnung auf Veränderung.

Der Arbeitsmarktexperte Enzo Weber, Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, hat im SWR-Interview einen Blick in die Vergangenheit geworfen: In den 90er Jahren wurden noch mehr als 70 Prozent der Unternehmen nach Tarif gezahlt, heute hingegen seien es weniger als 50 Prozent, erklärte er.

Einen der Gründe für die schwindende Zahl von tarifgebundenen Arbeitsverträgen sieht Weber in der veränderten Arbeitswelt: Es gebe immer weniger Beschäftigte in traditionell tarifgebundenen Branchen - wie etwa dem Bergbau. Doch diese Berufe gingen zurück. Stattdessen arbeiteten nun mehr Menschen in anderen Bereichen, in denen es kaum eine Tarifbindung gebe - wie beispielsweise bei den Dienstleistungsberufen.

Um gegenzusteuern, könnte man Arbeitgebern mehr Flexibilität einräumen, schlägt Weber vor:

Umdenken bei Tarifverträgen

Zudem seien Tarifverträge oftmals zu unflexibel gestaltet, erklärte Weber. Deshalb schreckten viele Arbeitgeber davor zurück. Zudem führe der derzeitige Arbeitskräftemangel dazu, "dass sich im Arbeitsmarkt etwas tut", so Weber.

Die Tarifpartner forderte Weber auf, bei der Ausgestaltung von Tarifverträgen umzudenken: "Im Moment wird viel über die Arbeitszeitregulierung gesprochen, da könnte man sagen: mehr Optionen über einzelne Verhandlungslösungen, die erlauben wir - aber die erlauben wir nur denen, die in der Tarifbindung sind", so Weber.

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