Juli 2016: Erdogan-Anhänger demonstrieren in Köln. (Foto: picture-alliance / dpa)

Türkischer Präsident auf Staatsbesuch So weit reicht Erdogans Arm nach Deutschland hinein

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Bei seinem Besuch eröffnet Erdogan auch eine Ditib-Moschee in Köln. Das wirft die Frage auf: Wie groß ist der Einfluss Erdogans auf Ditib?

Wie weit Erdogans Einfluss reicht, zeigt sich in deutschen Moscheen. Denn dort wird vielfach türkische Politik betrieben.

So ist die größte islamische Organisation hierzulande, der Moscheenverband Ditib, in den vergangenen Jahren immer öfter zum Sprachrohr des türkischen Präsidenten in Deutschland geworden, beklagt Susanne Schröter, die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Uni Frankfurt:

Die Ditib ist der deutsche Arm des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten - kurz Diyanet - das dem Ressort des türkischen Ministerpräsidenten angegliedert ist. Sie kontrolliert etwa 950 der insgesamt 2.600 Moscheen in Deutschland.

Kriegsspiele und "Märtyrertod" in der Moschee

Ihre Imame sind türkische Staatsbeamte, die von Ankara bezahlt und in der Regel für fünf Jahre nach Deutschland entsandt werden. Auch wenn die Ditib nach deutschen Vereinsrecht autonom ist, haben dort die Repräsentanten aus der Türkei das Sagen, erklärt Schröter:

So wurde in Ditib-Moscheen für den Einmarsch der türkischen Armee in das kurdische Grenzgebiet Syriens offensiv Propaganda gemacht und zum Gebet aufgerufen. Zudem ließ man Kinder Krieg spielen und den Märtyrertod preisen.

Da es hierbei zu verfassungsfeindlichen nationalistisch-religiösen Äußerungen und Aktivitäten gekommen sein soll, ist Ditib inzwischen ins Visier des Bundesverfassungsschutzes geraten.

Was macht überhaupt ein "Religionsattaché"?

Bereits im vergangenen Jahr war gegen Mitarbeiter von Ditib wegen Spionage ermittelt worden. So sollen 19 türkische Geistliche im Auftrag der Diyanet Anhänger der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen ausgespäht haben. Eine Schlüsselrolle spielten dabei einige der 18 Religionsattachés in den türkischen Konsulaten.

Ihnen gegenüber sind die Ditib-Imame nämlich rechenschaftspflichtig. Denn der Religionsattaché - so erklärte der ehemalige Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga nach dem Putschversuch in der Türkei gegenüber dem SWR - ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Diyanet und Ditib in Deutschland:

Mittlerweile sind innerhalb von Ditib auch Stimmen zu hören, die eine Loslösung von der Türkei fordern. Für diesen Fall könnte die Islamische Gruppe Milli Görüs (IGMG) ihre Rolle übernehmen. Immerhin sollen dort bereits jetzt nach Angaben des Bundesinnenministeriums 43 Diyanet-Imame arbeiten.

Zudem hat Präsident Erdogan seine politischen Wurzeln in der Milli-Görüs-Bewegung; und der langjährige Generalsekretär der IGMG, Mustafa Yeneroglu, ist Abgeordneter der islamisch-konservativen AKP im Parlament in Ankara.

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