Boris Johnson gibt vor der 10 Downing Street eine Erklärung ab. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Dominic Lipinski/PA Wire/dpa)

Analyse nach der Wahl Johnson hat in Großbritannien nur durch das Mehrheitswahlrecht gewonnen

Blickt man auf die tatsächlichen Wählerzahlen, sieht man: Es haben mehr Wähler in Großbritannien gegen Johnson und den Brexit gestimmt. Der Premierminister erreicht nur durch das Wahlsystem die absolute Mehrheit.

Es gibt eine Parallele zwischen der Wahl von Donald Trump und Boris Johnson: Beide haben nicht die meisten Stimmen auf sich vereint. Aber ähnlich wie in den USA repräsentiert in Großbritannien die Zusammensetzung des Unterhauses nicht das Verhältnis der abgegebenen Stimmen. Es entscheidet, wer gewinnt die meisten Wahlbezirke?

Die eigentlichen Gewinner verlieren

Im Vergleich zur Wahl von Theresa May vor zwei Jahren haben die Tories gerade mal einen Prozentpunkt mehr gewonnen. Eigentlich haben die Parteien, die ein zweites EU-Referendum gefordert haben, mehr Stimmen erhalten, als der Wahlsieger.

Auch die Liberal-Demokraten, die gegen den Brexit Wahlkampf geführt haben, gewannen eine Millionen Wählerstimmen dazu. Aber im Vergleich zur letzten Wahl 2017 haben sie trotzdem einen Sitz im zukünftigen Parlament verloren. Auch ihre Chefin Jo Swinson hat den Einzug ins Unterhaus knapp verpasst und hat nach der Niederlage ihren Rücktritt angekündigt.

"Für Millionen von Menschen bedeutet dieses Ergebnis Furcht und Bestürzung. Die Menschen sehnen sich nach Hoffnung."

Jo Swinson
Nachdem sie ihren Sitz im britischen Unterhaus verloren hat, spricht die Chefin der Liberal-Demokratin und verkündet ihren Rücktritt. (Foto: Reuters)
Nachdem sie ihren Sitz im britischen Unterhaus verloren hat, spricht die Chefin der Liberal-Demokratin und verkündet ihren Rücktritt.

Die Remainer, also die Parteien, die sich für ein zweites Referendum beziehungsweise gegen den Brexit eingesetzt haben, hätten diese Wahl vielleicht sogar gewinnen können, wenn sie eine große Allianz gebildet und landesweit in den Wahlkreisen nur den aussichtsreichsten Kandidaten aus ihren Reihen aufgestellt hätten.

Johnson und die absolute Mehrheit

365 Sitze gehen jetzt im Unterhaus an die Konservativen. Damit hat Johnson eine absolute Mehrheit, wie zuletzt Margaret Thatcher im Jahr 1987. Seine Wahlkampfziele kann er ungehindert umsetzen und sein oberste Ziel ist klar: Den Ausstieg aus der EU Ende Januar 2020.

Was die absolute Mehrheit für Johnson bedeutet?

Die Möglichkeiten für Johnson sind größer geworden mit der absoluten Mehrheit. Niemand wird ihm jetzt noch in die Quere kommen, kommentiert SWR-London-Korrespondent Jens-Peter Marquardt:

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