Küken (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa Bildfunk, picture alliance/Bernd Wüstneck/zb/dpa)

Alternative zum Kükenschreddern Bruderhahn-Initiative statt Kükenmord

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Noch dürfen männliche Küken in Deutschland getötet werden - ein gesetzliches Verbot des Kükenschredderns ist erst Ende 2021 geplant. Allerdings gibt es bereits jetzt Alternativen. Die Bruderhahn-Aufzucht gehört dazu.

"Das Problem des Hahns ist, dass er im Vergleich zur Henne nur sehr langsam wächst, deshalb mehr Futter verbraucht und so mit den heutigen Masthennen nicht mithalten kann." So erklärt der baden-württembergische Geflügelzüchter Christoph Hönig den Grund für das jahrzehntelange Töten männlicher Küken in europäischen Geflügelbetrieben. Und obwohl ein Gerichtsurteil der Praxis letztes Jahr erstmals eine Verletzung des Tierwohls bescheinigte, soll ein Verbot erst Ende 2021 kommen. Die Vorbereitungen dazu laufen bereits, so auch am Montag bei einem Treffen von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) mit ihrem französischen Amtskollegen Didier Guillaume.

Der Drei-Cent-Trick der Bruderhahn-Initiative

Um die Hähne bereits jetzt vorm Schreddern oder der Vergasung zu bewahren, wendet der Stockacher Geflügelhalter Christoph Hönig einen Trick an: "Wir haben die Eier drei Cent teurer gemacht und über die drei Cent erwirtschaften wir soviel, dass wir den unwirtschaftlichen Hahn trotzdem großziehen können." Auf diese Weise käme am Ende auch noch ein qualitativ hochwertigeres Fleisch heraus, weil das Fleisch des Hahns durch das langsamere Wachsen intensiver schmecke, so Hönig.

Dauer

An der Tankstelle seien drei Cent mehr oder weniger nicht viel, meint König, in der Lebensmittelbranche sehe die Sache aber völlig anders aus. Da seien drei Cent pro Ei richtig viel Geld, die der Verbraucher am Ende zu zahlen bereit sein müsse. Bislang gehe die Rechnung für die rund 42 baden-württembergischen Betriebe, die sich der Bruderhahn-Initiative angeschlossen hätten, aber auf.

Hähnchenfleisch-Bedarf kann auch so gedeckt werden

Neben der Wirtschaftlichkeit führen die Befürworter des Kükenschredderns aber noch ein weiteres Argument an: die Sorge, dass durch die platz- und kostenintensivere Aufzucht von Hähnen der Bedarf an Geflügelfleisch nicht vollständig gedeckt werden könnte. Geflügelhalter Hönig hält dagegen: "Wenn man den dazugehörigen Hahn zu jeder Legehenne großzieht, dann reden wir von circa einem oder 1,2 Prozent des Gesamtbedarfs an Hähnchenfleisch, das müsste machbar sein."

Ende des Kükenschredderns ist wie der Atomausstieg

Allerdings sei die Umstellung bei großen Betrieben deutlich schwieriger als in der kleinstrukturierten Landwirtschaft, ist Hönig überzeugt. "Wir können das besser und schneller umsetzen." Die baden-württembergische Bruderhahn-Initiative arbeite zudem mit Landwirten zusammen, die ansonsten keine Perspektive mehr gehabt hätten, beispielsweise weil ihre Schweinezucht zu klein gewesen sei. Dort würden die Bruderhähne nun aufgezogen. Praktisch ist das eine Win-win-Situation für alle", so Hönig.

Dennoch brauche die deutschlandweite Umstellung wohl noch etwas Zeit meint Hönig: "Ich sage immer zum Scherz: Das ist wie Atomkraftwerke abschalten - wenn man Dinge ändern will, die 40 Jahre lang so gelaufen sind, dann müssen wirklich alle Beteiligten, auch die Kunden, mitmachen."

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